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Asiatische Keiljungfer - Gomphus flavipes (CHARPENTIER, 1825)
Artenprofil von Heide Gospodinova & H.-Willi Wünsch
Letzte Änderung: 22.09.2016


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung: Großlibellen (Anisoptera)
Familie: Flussjungfern (Gomphidae)

Foto (© Heide Gospodinova)
Rhein bei Neuss


(xxl-Foto)
Weibchen
27.07.2013
   
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich
     
Besondere Merkmale

Insekten-ABC, Erklärungen von Fachbegriffen

Informationen zur Namensgebung:
"Gomphus" kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Pflock" oder "Keil". Offensichtlich deutete TOUSSAINT VON CHARPENTIER im Jahre 1825 das Abdomen der Art als "keilförmig". "flavipes" kommt von den lateinischen Begriffen "flavus" für "Fuß" und "pes" für gelb, was "gelbfüßig" bedeutet.
Der deutsche Artname bezieht sich auf das Hauptverbreitungsgebiet in Asien.

Merkmale:
Die Asiatische Keiljungfer zählt zu den mittelgroßen Libellenarten. Auffällig sind die, wie bei allen Flussjungfernarten, weit auseinanderstehenden Facettenaugen, die bei Jungtieren noch milchig graubraun gefärbt sind.



Junge weibliche Asiatische Keiljungfer (Foto © Heide Gospodinova, 02.07.2016, xxl-Foto bei Bildklick)


Bis zum Erreichen der Geschlechtsreife färben sich diese bei den Männchen hellblau und bei den Weibchen hellgrün. Charakteristisch für eine Flussjungfernart sind auch die im Verhältnis zur Körpergröße relativ kurzen Beine. Diese sind bei Gomphus flavipes zum größten Teil gelb gefärbt (siehe Namensgebung). Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zu anderen Flussjungfernarten sind die schwarzen Linien oberseitig des Brustabschnittes. Hier besitzt die Asiatische Keiljungfer beidseitig vor den Flügelansätzen 3 schwarze, gleichmäßig breite Streifen, welche alle den gleichen Abstand zueinander aufweisen. Dem entsprechend, sind die Abstände zu den gelben Flächen der Thoraxoberseite ebenfalls gleich breit.



Junges Männchen der Asiatischen Keiljungfer (Foto © H.-Willi Wünsch, 02.07.2016, xxl-Foto bei Bildklick)


Das Abdomen der Männchen ist im unteren Drittel keulig verbreitet. Die Hinterleibsanhänge sind paarig und wirken nach außen hin gespreizt. Die Abdomen der Weibchen hingegen sind zylindrisch geformt.

Körperlänge: bis 55 mm
Flügelspannweite: bis 80 mm


Verwechslungsgefahr:

Die Imagines von Gomphus flavipes können schnell mit anderen Flussjungfernarten verwechselt werden. Hier sind in erster Linie die Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus) und die Gelbe Keiljungfer (Gomphus simillimus) zu nennen.



Die Männchen von Gomphus pulchellus besitzen ein durchgängig schlankes Abdomen. Die seitlichen schwarzen Trennlinien auf dem Thorax sind sehr schmal. Als einzige Flussjungfernart ist bei ihr der mittlere schwarze Streifen durchgängig und dient damit als Abgrenzungsmerkmal zu anderen Gomphiden (Foto © Heide Gospodinova, 07.06.2012, xxl-Foto bei Bildklick).




Die Verwechslungsart Gelbe Keiljungfer (Gomphus simillimus) kommt in NRW nicht vor. Ihr Abdomenende ist keilförmig verbreitert. Die oberen seitlichen schwarzen Thoraxstreifen sind in etwa so breit wie der dazwischenliegende gelbe Streifen. Der mittlere schwarze Strich auf den Thoraxseiten reicht nur bis zur Mitte. (Foto © Heide Gospodinova, 16.06.2013, xxl-Foto bei Bildklick).


Die Larven, bzw. die Exuvien sind relativ leicht durch ihr sehr spitz zulaufendes Abdomenende von allen 7 in Deutschland vorkommenden Flussjungfernarten zu unterscheiden.

Beschreibung der Larve (nach BELLMANN, 2007): Plumpe flache Anisopteren-Larve > flache Fangmaske und Fanghaken mit langem, beweglichem Zahn > auffallend kurze und breite 4-gliedrige Fühler und relativ kurzer Körper > Dorsaldorne fehlend > Segment 9 länger als breit

Lebensraum
Die Asiatische Keiljungfer lebt als spezialisierte Fliessgewässerart ausschließlich an großen Strömen und an breiten Mittel- und Unterläufen von Flüssen. Eine wichtige Voraussetzung für ein Reproduktionshabitat bildet dabei die Beschaffenheit des Bodensubstrates.





Typische Lebensräume der Asiatischen Keiljungfer. Oben: Buhnenfelder am Rhein bei Neuss; unten: an der Waal (Niederlande)
(Fotos © H.-Willi Wünsch, xxl-Fotos bei Bildklick)


Je feiner das sandige Grundsediment der Flussabschnitte beschaffen ist, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit ein bodenständiges Vorkommen der Art aufzufinden. Einen weiterer günstiger Aspekt eines möglichen Lebensraums stellen die zahlreichen Buhnenfelder dar, die im Laufe der letzten Jahrzehnte an schiffbaren Flüssen errichtet wurden. In deren strömungsberuhigten Zonen bildeten sich mit der Zeit Feinsedimentablagerungen, die als Entwicklungshabitat von Larven eine wichtige Rolle spielen.

Biologie und Lebensweise
Gomphus flavipes repräsentiert eine Flussjungfernart, die aufgrund ihrer Lebensweise nur sehr schwer zu dokumentieren ist. Entsprechend oft erfolgt ein Nachweis über die Anwesenheit dieser Spezies in einem möglichen Habitat lediglich durch Exuvienfunde. Diese findet man meist einige Meter von der oft sehr dynamischen Wasserlinie der Flüsse entfernt. Diese extrem gut getarnten, etwa 2,5 cm großen, leeren Larvenhäute sind in der Weitläufigkeit eines angestammten Lebensraumes meist nur durch eine konzentrierte Suche am Ufer der Flüsse auffindbar.



Exuvie einer Asiatischen Keiljungfer (Foto © H.-Willi Wünsch, 02.07.2016, xxl-Foto bei Bildklick)


Bei entsprechend guter Witterung beginnt die Emergenzperiode der Asiatischen Keiljungfer in der zweiten Maihälfte. Die Larven, die während ihrer Entwicklungszeit 3 bis 4 Jahre, meist eingegraben im Feinsediment der Flüsse verbracht haben, verlassen nun das Wasser, um in einigen Metern Entfernung am Strand des Flusses zu schlüpfen.



Schlupfbereite Larve einer Asiatischen Keiljungfer (Foto © H.-Willi Wünsch, 07.08.2016, xxl-Foto bei Bildklick)


Die Art neigt dabei nicht dazu, ihre Imaginalhäutung synchron zu vollziehen. Vielmehr erfolgt die Emergenz meist einzeln und über Monate hinweg, bis zum Ende der ersten Augustdekade.

 
 
 


Schlupf einer weiblichen Asiatischen Keiljungfer:
1 = 11:41 Uhr, 2 = 11:55 Uhr, 3 = 11:59 Uhr, 4 = 12:00 Uhr, 5 = 12:04 Uhr, 6 = 12:42 Uhr, 7 = 12:43 Uhr
(Fotos © H.-Willi Wünsch, 02.07.2016, xxl-Foto bei Bildklick)


Der Schlupf vollzieht sich in charakteristischer Flussjungfernmanier, meist waagerecht auf Bodensubstrat und sehr schnell. In der Regel benötigt eine schlüpfende Asiatische Keiljungfer vom Beginn der Emergenz bis zum Jungfernflug etwa eine Stunde. Da oft am Flussufer, dem Schlupfort, jede Deckung fehlt, werden die zu dieser Zeit völlig hilflosen Libellen häufig das Opfer von Vögeln. Zu nahe an der Wasserlinie schlüpfende Tiere können vom Wellengang vorbeifahrender Binnenschiffe wieder ins Wasser "zurückgesaugt" werden, was sie ebenfalls nicht überleben. Nur mit sehr viel Glück gelingt dem aufmerksamen Naturfreund die Beobachtung einer Metamorphose der Asiatischen Keiljungfer. Einen solchen Moment in freier Natur zu erleben, kann durchaus als "Sternstunde" der Odonatologie (Libellenkunde) bezeichnet werden.



Frisch geschüpftes Männchen der Asiatischen Keiljungfer (Foto © H.-Willi Wünsch, 02.07.2016, xxl-Foto bei Bildklick)

Jene Individuen, die den ersten gefährlichen Augenblick ihres Lebens als Imago überstanden haben, entfernen sich bis zu mehr als 20 Kilometer von ihrem Ursprungsgewässer, um über Land zu jagen und zu reifen. Nach etwa zwei Wochen kehren sie zu den Flüssen zurück. Dort warten zunächst die Männchen an sonnenexponierten Stellen unweit des Ufers auf Steinen, Buhnenfeldern oder Abrisskanten auf paarungswillige Weibchen. Von hier aus starten sie zu unregelmäßigen Patrouillenflügen, die sie zumeist weit auf die Wasserfläche hinausführen. Höchstwahrscheinlich finden sich auch hier die Geschlechter.

Die anschließende Paarung beginnt schon während des Fluges über der Wasseroberfläche. Dieser führt in den meisten Fällen zurück zum Land, wo die Kopulation, in der Vegetation sitzend, nach einer knappen halben Stunde beendet wird. Anschließend fliegt das Weibchen alleine auf die Wasserfläche hinaus, wo es unter wippendem Flug, wobei die Abdomenspitze das Wasser berührt, seine Eier abstreift. Diese sinken in tiefere Wasserschichten ab und kleben, dank einer gallertartigen Umhüllung, an der submersen Vegetation fest. Die Eier überwintern als solche und die Larven schlüpfen erst im darauffolgenden Jahr.

Die recht lange Flugzeit der Asiatischen Keiljungfer beginnt im Juni und endet erst, meist witterungsbedingt, etwa Mitte September. Die durchschnittliche imaginale Lebenserwartung der Art wird mit etwa 40 Tagen beziffert.

Nahrung
Gomphus flavipes erbeutet als Imago in erster Linie Fluginsekten wie Mücken, Fliegen, Schnaken und kleine Schmetterlinge, die zumeist während des Fluges erjagt werden.



Junge weibliche Asiatische Keiljungfer (Foto © H.-Willi Wünsch, 02.07.2016, xxl-Foto bei Bildklick)


Die Larven leben die meiste Zeit eingegraben am Grund flacher und strömungsberuhigter Zonen der Flüsse. Hier ernähren sie sich hauptsächlich von Zuckmücken, Köcher-, Stein- und Eintagsfliegenlarven und anderen Libellenlarven sowie Röhrenwürmern und Blutegeln, die sie mit ihren Antennen ertasten und überwältigen.

Verbreitung in D/Welt
Wie der Name der Art schon andeutet, liegt das Hauptverbreitungsgebiet der Asiatischen Keiljungfer in Asien. Vom japanischen Meer aus erfolgte eine fast kontinuierliche Ausbreitung nach Westen, bis die Art an der französischen Atlantikküste auf ein natürliches, scheinbar unüberwindbares Hindernis stieß. Dennoch gibt es einen Einzelfund aus Südengland aus dem frühen 19. Jahrhundert. Es existieren Populationen, die sich entlang geeigneter Gewässer von Mittelitalien im Süden bis an die Grenze zu Dänemark im Norden erstrecken.

Im Westen Deutschlands galt Gomphus flavipes im 20. Jahrhundert über mehrere Jahrzehnte hinweg als ausgestorben. Lediglich aus dem Hoheitsgebiet der damaligen DDR waren an den Flüssen Elbe und Oder noch vereinzelte Populationen bekannt. Höchstwahrscheinlich erfolgte von dort aus eine erneute Verbreitung in Richtung Westen, sodass sich die Asiatische Keiljungfer über die Spree, die Weser und die Lippe langsam bis zum Rhein und zur Donau ausbreiten konnte. Die Verbreitungsschwerpunkte liegen aktuell an der Waal, dem südlich gelegenen, größten Nebenarm des Rheins vor seinem Delta und an der niederländischen Ijssel. Weiter südlich, vom Mittellauf des Rheins, in Rheinland-Pfalz, sind ebenfalls einige Vorkommen bekannt.

Verbreitung in NRW
In Nordrhein-Westfalen konnte die Asiatische Keiljungfer in den letzten Jahren, meist durch Exuvienfunde, am Rhein bei Neuss und Orsoy sicher nachgewiesen werden. Begegnungen mit Imagines oder Beobachtungen von Emergenzen blieben während der letzten 10 Jahre extreme Ausnahmen. Untersuchungen der sedimentären und großflächigen Uferbeschaffenheit sowie der Strömungsverhältnisse an den dortigen Buhnenfeldern lassen vermuten, dass am Rhein in Höhe des rechtsrheinischen Siebengebirges bei Oberkassel und dem linksrheinischen Flussufer bei Köln-Rodenkirchen den Anfordernissen der Art entsprechende Lebensräume existieren könnten. Endgültige Ergebnisse diesbezüglicher Forschungen stehen noch aus.

In der Roten Liste der Libellenarten NRWs (2010) wird die Asiatische Keiljungfer als sehr selten mit dem Status "D = Daten unzureichend" geführt. Es heißt dort allerdings, das sich die Art in den letzten Jahren etabliert. "Zumindest in den großen Flüssen und im Kanalnetz des Flachlandes in Nordrhein-Westfalen breitet sich die Art aus, ohne jedoch bislang die Populationsgrößen/Individuendichten wie z. B. an Elbe und Oder zu erreichen."

Benutzte Literatur
BELLMANN, H. (2007): Der Kosmos Libellenführer: Die Arten Mitteleuropas sicher bestimmen. Kosmos (Franckh-Kosmos). 279 S.

BROCHARD, C.; D. CROENENDIJK; E. VAN DER PLOEG & T. TERMAAT (2012): Fotogids Larvenhuidjes van Libellen. KNNV. 224 S.

BROCKHAUS, T., H.-J. ROLAND, T. BENKEN, K.-J. CONZE, A. GÜNTHER, K. G. LEIPELT, M. LOHR, A. MARTENS, R. MAUERSBERGER, J. OTT, F. SUHLING, F. WEIHRAUCH & C. WILLIGALLA (2015): Libellula Supplement 14: Atlas der Libellen Deutschlands (Odonata). S. 214 ff.

DIJKSTRA, K. D. B. (2006): Field Guide of the Dragonflies in Britain and Europe, British Wildlife Publishing. 320 S.

JURZITZA, G. (2000): Der Kosmos-Libellenführer, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co., Stuttgart

OTT, J., K.-J. CONZE, A. GÜNTHER, M. LOHR, R. MAUERSBERGER, H.-J. ROLAND & F. SUHLING (2015): Rote Liste der Libellen Deutschlands 2015. Libellula, Supplement 14, Atlas der Libellen Deutschlands, GdO e.V. pdf bei tu-braunschweig.de

ROTE LISTE und Artenverzeichnis der Libellen - Odonata - in Nordrhein-Westfalen (2010): 4. Fassung, Stand April 2010, Arbeitskreis Libellen NRW - Klaus-Jürgen Conze, Nina Grönhagen unter Mitarbeit von Edgar Baierl, Andreas Barkow, Ludger Behle, Norbert Menke, Matthias Olthoff, Eva Lisges, Mathias Lohr, Martin Schlüpmann und Eberhard Schmidt - PDF

STERNBERG, K. & R. BUCHWALD (2000): Libellen Baden-Württembergs, Bd. 2, Großlibellen (Anisoptera). Ulmer Verlag. 712 S.

SUHLING, F. & O. MÜLLER (1996): Die Flussjungfern Europas. Neue Brehm-Bücherei, Westarp Wissenschaften

WILDERMUTH, H. & A. MARTENS (2014): Taschenlexikon der Libellen Europas. Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Portrait. 824 S., Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co. Wiebelsheim

WÜNSCH, H.-W. & H. GOSPODINOVA (2014): Die Libellen Nordrhein-Westfalens und darüber hinaus. CD-ROM, Band 1 & 2 Ausgabe 2014 (www.waldschrat-online.de)


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Weitere Informationen zu Libellen (Odonata) im Internet

Arbeitskreises zum Schutz und zur Kartierung der Libellen in Nordrhein-Westfalen: Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste

Schutzgemeinschaft Libellen in Baden-Württemberg e.V. (SGL): Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste, Kartierung, Biologie, Ökologie usw.

www.libellenwissen.de: Alles Wissenswerte über Libellen in Bild und Text von Andreas Thomas Hein


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