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Kleine Pechlibelle - Ischnura pumilio (CHARPENTIER, 1825)
Artenprofil von Heide Gospodinova & H. - Willi Wünsch
Letzte Änderung: 26.01.2013


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Familie: Schlanklibellen (Coenagrionidae)

Fotos (© Willi Wünsch (1-5), Jochen Rodenkirchen (6))



(xxl-Foto)
Männchen

(xxl-Foto)
Männchen

(xxl-Foto)
Weibchen, grün
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich

(xxl-Foto)
juv. Männchen

(xxl-Foto)
Weibchen, grün

(xxl-Foto)
Weibchen
04.05.2009
Besondere Merkmale

Insekten-ABC, Erklärungen von Fachbegriffen Informationen zur Namensgebung: "pumilio" bedeutet lateinisch "Zwerg". Bis zur Entdeckung der Zwerglibelle galt sie als die kleinste bekannte Libellenart. Aufgrund der im Vergleich zur Großen Pechlibelle geringeren Größe erhielt sie den deutschen Namen Kleine Pechlibelle.



Männchen (oben 2x) und grüne Färbungsvariante des Weibchens (unten 2x) der Kleinen Pechlibelle (© Willi Wünsch, xxl-Foto)

Die Männchen sind anhand ihrer auf dem 9. Hinterleibssegment befindlichen blauen Zeichnung erkennbar.



Hinterleibsende der männlichen Kleinen Pechlibelle (© Jochen Rodenkirchen)

Die Art verfügt bis zum Erreichen der Geschlechtsreife über ein großes Farbspektrum. Die Weibchen sind als Jungtiere meist kräftig orange gefärbt, werden dann aber mit zunehmendem Alter hell- oder olivgrün.



Färbungsvarianten junger Weibchen der Kleinen Pechlibelle (© Willi Wünsch)

In seltenen Fällen auch andochrom (= Männchenfarben), also blau. Es gibt bei den weiblichen Kleinen Pechlibellen insgesamt drei Farbvariationen.
Die Männchen sind zunächst recht hell in ihrem Farbmuster. Mit dem älter werden färben sie sich dann jedoch gelblich-grün und werden als adulte Tiere schließlich blau. Genau wie die Große Pechlibelle hat das Männchen zweifarbige, schwarz-weiße Flügelmale (= Pterostigmata).



Typisch schwarz-weißes Flügelmal der Kleinen Pechlibelle mit den deutlich größeren Flügelmalen in den Vorderflügeln
(© Willi Wünsch)

Körperlänge: bis ca. 30 mm
Flügelspannweite: bis ca. 35 mm

Ähnliche Arten: Ischnura pumilio kann mit Ischnura elegans verwechselt werden. Wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist das hellblaue Schlusslicht, das sich bei Ischnura pumilio über den Hinterrand des 8. und über das 9. Hinterleibsegement erstreckt und bei Ischnura elegans ausschließlich das gesamte 8. Hinterleibsegmente belegt. Des Weiteren weist das 9. Hinterleibsegement bei Ischnura pumilio oben eine mehr oder weniger ausgeprägte schwarze Zeichnung auf.


Hinterleibsende einer männlichen Großen Pechlibelle - Ischnura elegans (© Nicolaj Klapkarek)

Bei Ischnura elegans hingegen fehlt eine solche schwarze Zeichnung auf dem 8. Hinterleibsegement.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist das Flügelmal. Bei Ischnura pumilio ist das Flügelmal im Vorderflügel doppelt so groß wie im Hinterflügel, bei Ischnura elegans hingegen kaum größer.

Lebensraum
Ischnura pumilio zählt zu den klassischen "Pionierarten", also Erstbesiedlern stehender und sehr langsam fließender Gewässer. Sehr flache, zum Teil mit Regenwasser gefüllte Kleingewässer ohne oder mit nur sehr spärlicher Vegetation bilden ein Optimalhabitat für die Art. Bei stärker werdendem Pflanzenwuchs und Sukzession verschwinden die Populationen in der Regel sehr schnell.



Weibchen der Kleinen Pechlibelle (© Jochen Rodenkirchen)

So können neu angelegte Gartenteiche mit nicht zu steil abfallenden Uferzonen und noch kahlen Rändern zumindest eine Zeit lang besiedelt werden. Die Kleine Pechlibelle kann sogar Viehtränken auf Weidegründen, Sprengtrichter auf Truppenübungsplätzen und einfache, mit Wasser gefüllte Fahrspuren von Traktoren auf einem Feldweg als Habitat zur Fortpflanzung nutzen. Die geringen Ansprüche an ihren Lebensraum stehen im Widerspruch zu ihrem seltenen Vorkommen.



Männchen der Kleinen Pechlibelle (© Jochen Rodenkirchen)

Biologie und Lebensweise
Die Flugzeit von Ischnura pumilio reicht unter normalen Witterungseinflüssen von Ende Mai/Anfang Juni bis in den September hinein. Das Aktivitätsmaximum der Kleinen Pechlibelle liegt in den Monaten Juli und August. Die letzten Tiere schlüpfen etwa Anfang August. In wärmeren Gebieten kann man die Art schon Ende April bis Anfang Mai beobachten.



Junges Männchen der Kleinen Pechlibelle im Flug (© Willi Wünsch, xxl-Foto)

Die Flugzeit kann durch plötzlich einbrechende Schlechtwetterperioden negativ beeinflusst werden. Die Männchen kommen in den Sommermonaten erst am späten Vormittag ans Gewässer. Die warmen Morgenstunden nutzen sie, um in der näheren Umgebung zu jagen.



Männchen der Kleinen Pechlibelle (© Jochen Rodenkirchen)

Am Fortpflanzungshabitat suchen sie dann in tiefem Flug nach einfliegenden Weibchen. Sind die Weibchen in Paarungsstimmung, nähern sie sich den Männchen erst am frühen Nachmittag. Bereits wenige Minuten später kann man bereits die ersten Paarungsräder beobachten.



Kopula der Kleinen Pechlibelle (© Willi Wünsch, xxl-Foto)

Bei der Kleinen Pechlibelle, wie auch bei ihrer Schwesternart, der Großen Pechlibelle dauert die Paarung bis zu vier Stunden. Damit hält sie den Rekord beim Paarungsverhalten aller Libellenarten.

 

Kopula der Kleinen Pechlibelle, links orangene und rechts grüne Färbungsvariante (© Willi Wünsch, xxl-Foto 1, xxl-Foto 2)

Zum Vergleich: Paarungen von Segellibellen wie dem Plattbauch (Libellula depressa), dem Vierfleck (Libellula quadrimaculata) oder der Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) dauern nur wenige Sekunden.
Die Eiablage erfolgt meist am späten Nachmittag oder in den Abendstunden alleine durch das Weibchen. Tandemformationen sind daher bei der Kleinen Pechlibelle nur extrem selten zu sehen. Die Eier werden vom Weibchen in Algenwatten, vom Wind eingewehten Gräsern oder bei vegetationslosen Gewässern unmittelbar an der Wasserlinie in weiche Bodensedimente eingestochen.

Nahrung



Kleine Pechlibelle mit einer Zikade (Zirpe - Deltocephalinae) als Beute (© Willi Wünsch, xxl-Foto)

Imagines der Kleinen Pechlibelle sind trotz ihrer geringen Größe erfolgreiche Jäger und erbeuten allerlei Kleininsekten, wie Mücken, Eintagsfliegen und kleine Schmetterlinge, die sie im Flug mittels ihrer zu einem "Fangkorb" ausgeprägten Beine einfangen. Zum erweiterten Beutespektrum zählen auf Grashalmen sitzende Zikaden, welche von hinten überwältigt werden.



Junge weibliche Kleine Pechlibelle mit einer erbeuteten Fliege (© Willi Wünsch, xxl-Foto)

Über die Entwicklung der Larven ist recht wenig bekannt. Sie sind entsprechend der Art sehr klein und äußerst aktiv. Unmittelbar nach dem Schlüpfen aus dem Ei bedrohen sie sich gegenseitig um sich danach im Wasser zu verteilen. Auf diese Weise wird übermäßiger Kannibalismus vermieden.

Verbreitung in D/Welt




Junges Männchen der Kleinen Pechlibelle (© Willi Wünsch, xxl-Foto)

Die Art kommt in Europa nur noch inselartig vor und fehlt im Norden des Kontinentes vollständig. Im Osten findet man sie von der Türkei bis nach Sibirien. In Richtung Süden reicht die Verbreitung bis an die Grenzen der Trockenzonen von Marokko. Auf den Inselgruppen der Azoren und auf Madeira sind seit einiger Zeit kleine Populationen bekannt.
Als "unstete" Art ist sie in Deutschland, wie in Mitteleuropa nur an wenigen Stellen häufig anzutreffen.

Verbreitung in NRW



Junges Weibchen der Kleinen Pechlibelle (© Willi Wünsch, xxl-Foto)

Die Kleine Pechlibelle siedelt als Pionierart und Wegbereiter an neu entstandenen Biotopen. Die Vorkommen sind jedoch von Jahr zu Jahr sehr verschieden. Mittelfristig oder gar dauerhaft besiedelte Habitate sind nicht bekannt. Daher ist ein Vorkommen von Ischnura pumilio stets als "unregelmäßig" zu bezeichnen. Aufgrund ihres nur noch inselartigen Vorkommens in mehr oder weniger geringen Abundanzen gilt die Kleine Pechlibelle als bedrohte Art.



Weibchen der Kleinen Pechlibelle auf Caltha palustris-Blüte (© Jochen Rodenkirchen, 07.05.2009, xxl-Foto)

Wie alle Libellen ist auch sie durch das Bundesnaturschutzgesetz und die Bundesartenschutzverordnung streng geschützt. In der Roten Liste der Libellen Nordrhein-Westfalens von 2010 ist Ischnura pumilio insgesamt mit dem Status 3S und mh = mäßig häufig geführt. Das bedeutet, dass die Bestände gefährdet sind, sich aber aktuell aufgrund von Schutzmaßnahmen auf einem in etwa gleichbleibenden Level bewegen. Im Tiefland (RL3 = gefährdet) ist die Art etwas häufiger vertreten als im Bergland (RL2 = stark gefährdet).
Verbreitungskarte der Kleinen Pechlibelle des Arbeitskreises zum Schutz und zur Kartierung der Libellen in Nordrhein-Westfalen.

Benutzte Literatur
ARBEITSKREIS LIBELLEN NRW (2010): Rote Liste und Artenverzeichnis der Libellen - Odonata - in Nordrhein-Westfalen. LANUV-Fachbericht 36, Band 2 - Tiere.

BELLMANN, H. (2007): Der Kosmos Libellenführer: Die Arten Mitteleuropas sicher bestimmen. Kosmos (Franckh-Kosmos). 279 S.

DIJKSTRA, Klaas-Douwe B. (2006): Field Guide to the dragonflies of Britain and Europe. British Wildlife Publishing Ltd. 320 S.

GESELLSCHAFT DEUTSCHSPRACHIGER ODANOTOLOGEN (GDO) (2009): Libellula Supplement 9: Atlas of the Odonata of the Mediterranean and North Africa.

GLITZ, D. (2009): Libellen-Geländeschlüssel für Rheinland-Pfalz und das Saarland. NABU Rheinland-Pfalz & NABU Saarland. 109 S.

GLITZ, D. (2012): Libellen in Norddeutschland, ein Geländeschlüssel.

HEIDEMANN, H. & R. SEIDENBUSCH (2002): Die Libellenlarven Deutschlands - Handbuch für Exuviensammler. Keltern: Goecke & Evers.

HILL, B., H.-J. ROLAND, S. STÜBING & C. GESKE (2011): Atlas der Libellen Hessens. FENA Wissen, Band 1: 184 S.; S. 152 ff.

KUHN, K. & K. BURBACH (1998): Libellen in Bayern. Eugen Ulmer, Stuttgart. S. 176 ff

STERNBERG, K. & R. BUCHWALD (2000): Libellen Baden-Württembergs, Bd. 1, Kleinlibellen (Zygoptera). Ulmer Verlag. 468 S.

Internet: www.waldschrat-online.de:: H. Gospodinova & H.-W. Wünsch: Die Libellen Nordrhein-Westfalens. 3. aktualisierte Auflage 2011 (CD-ROM Band 2: Kleinlibellen).

WENDLER, A. & NÜß, J.-H. (1991): Libellen: Bestimmung, Verbreitung, Lebensräume und Gefährdung aller Arten Nord- und Mitteleuropas sowie Frankreichs unter besonderer Berücksichtigung Deutschlands und der Schweiz. - Hamburg: DJN 1991, 129 S.

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Weitere Informationen zu Libellen (Odonata) im Internet

Arbeitskreises zum Schutz und zur Kartierung der Libellen in Nordrhein-Westfalen: Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste

www.libellenwissen.de: Sehr viele Informationen über Libellen, Bestimmungshilfen, Fotogalerien uvm. von Andreas Thomas Hein

Schutzgemeinschaft Libellen in Baden-Württemberg e.V. (SGL): Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste, Kartierung, Biologie, Ökologie usw.


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