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Östliche Moosjungfer - Leucorrhinia albifrons (BURMEISTER, 1839)
Artenprofil von H. Gospodinova & H.-W. Wünsch
Letzte Änderung: 29.12.2016


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Familie: Segellibellen (Libellulidae)
Gattung: Moosjungfern (Leucorrhinia)

Foto (© H. Gospodinova)
Brandenburg


(xxl-Foto)
Männchen
31.05.2011
   
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich
     
Besondere Merkmale
Informationen zur Namensgebung:
Der Gattungsname Leucorrhinia stammt aus dem griechischen "leukos" = weiß und "rhinios" = nasig und bezieht sich auf die gattungstypische weiße Stirn. Der deutsche Artname weist auf den ursprünglichen Verbreitungsschwerpunkt in Osteuropa und Sibirien hin.

Leucorrhinia albifrons ist eine mittelgroße Segellibelle.
Als frisch geschlüpfte Imagines zeigen beide Geschlechter vorwiegend eine schwarze Grundfärbung mit gelben Zeichnungen, die sich bei den Männchen auf den Thorax beschränken und sich bei den Weibchen bis zum 5. Abdominalsegment auf dessen Oberseite ausdehnen. Während die Weibchen allgemein bis zum Erreichen der Geschlechtsreife in ihrer Färbung lediglich etwas nachdunkeln, bildet sich bei den adulten Männchen eine graublaue Wachsbereifung, die sich besonders über das 3. und 4. Hinterleibssegment ausbreitet.



Adultes Männchen der Östlichen Moosjungfer (Foto © H. Gospodinova, Brandenburg, 03.06.2011, xxl-Foto per Fotoklick)

Diese Färbung verleiht den erwachsenen Männchen der Östlichen Moosjungfer eine insgesamt sehr dunkle Erscheinung. Bei beiden Geschlechtern ist die Stirn, charakteristisch für alle Moosjungfernarten, weiß. Die Hinterleibsanhänge sind ebenfalls leuchtend weiß. Über solche Bestimmungsmerkmale verfügen sonst nur noch die Zierliche Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis) und der Östliche Blaupfeil (Orthetrum albistylum). Von ersterer lässt sich die Östliche Moosjungfer relativ leicht durch die Färbung der Flügelmale unterscheiden. Diese sind bei der hier portraitierten Art schwarz mit weißen Ausläufern zur Flügelspitze hin. Die Flügelmale der Männchen der Zierlichen Moosjungfer sind vollständig weiß. Das Abdomen der Männchen ist nur geringförmig keulig verdickt, das der Weibchen wirkt kräftig und ist zylindrisch geformt.

Körperlänge: 35-40 mm
Flügelspannweite: 60 mm


Larve (nach BELLMANN, 2007):

Plumpere Larve mit Analpyramide aus 5 Dornen > Fangmaske gewölbt. Fanghaken dreieckig, mit gezähntem Rand und kurzem, beweglichen Zahn > Fanghaken fein gewellt > Kopf hinter den Augen deutlich verschmälert > Ventralseite des Abdomens dunkel gefleckt oder überwiegend dunkel > Lateraldorne an Segment 9 länger als die Cerci > Segmente 8 und 9 ohne Dorsaldorne



Exuvie der Östlichen Moosjungfer (Foto © H.-W. Wünsch, xxl-Foto per Fotoklick)

Ähnliche Arten:



Gut erkennbar sind hier die weißen Flügelmale der männlichen Zierlichen Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis)
(Foto © H. Gospodinova, 29.05.2011, xxl-Foto per Fotoklick)

Im Folgenden können Sie sich die Weibchen der anderen Moosjungfer-Arten ansehen:



Zierliche Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis) -
(Foto © H. Gospodinova, 25.05.2016, xxl-Foto per Fotoklick)



Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia) -
(Foto © H.-Willi Wünsch, 27.05.2015, xxl-Foto per Fotoklick)

  • Hinterleibende keulig verbreitert mit weißen Anhängen
  • breit ovale Flecken auf den mittleren Hinterleibsegmenten 4 bis 6
  • Variable Flecken auf der Oberseite der Segmente 4 bis 7 schmal und etwa halb so lang wie ein Segment



Nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda) -
(Foto © H.-Willi Wünsch, 07.05.2016, xxl-Foto per Fotoklick)



Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) -
(Foto © H. Gospodinova, 05.05.2016, xxl-Foto per Fotoklick)

  • gelbe kelchförmige Flecken (ungefähr 3/4 der Segmentlänge) auf Segmenten 4 bis 7
  • Flecken auf Segmenten 4 bis 7 tassenförmig und so lang wie die Segmente
  • Anhänge der Legeklappe lang und leicht nach außen gebogen
Lebensraum
Die Östliche Moosjungfer lebt vorzugsweise an natürlichen, sauren und moorigen Stillgewässern, die meist nur eine geringe Durchschnittstiefe aufweisen. Als Sekundärhabitate werden auch alkalische, mit leicht saurem und klarem Wasser gefüllte Weiher, Sandgruben oder ehemalige Torfstiche mit niedrigem Nährstoffgehalt besiedelt.



Lebensraum der Östlichen Moosjungfer (Foto © H.-W. Wünsch, Brandenburg, 25.05.2016, xxl-Foto per Fotoklick)

Geeignete Gewässertypen müssen über eine Unterwasser- und zumindest partielle Schwimmblattvegetation verfügen. Gehölzbestände in unmittelbarer Nähe zu den Reproduktionsgewässern sind von Vorteil. In älterer Fachliteratur ist zu lesen, dass die Art während ihrer larvalen Entwicklung keine Koexistenz von Fischen verträgt, da diese als Hauptprädatoren galten. Jüngsten Erkenntnissen in aktueller Literatur sowie eigenen Beobachtungen zufolge ist Leucorrhinia albifrons jedoch durchaus in der Lage, sich auch in fischreichen Gewässern erfolgreich zu reproduzieren. Die relativ starke Bedornung der im finalen Stadium etwa 15-20 mm großen Larven und eine versteckte Lebensweise können dabei nützlich sein.



Ein weiteres von der Östlichen Moosjungfer besiedeltes Gewässer
(Foto © H.-W. Wünsch, Brandenburg, 28.05.2016, xxl-Foto per Fotoklick)

Biologie und Lebensweise
Die Östliche Moosjungfer schlüpft innerhalb des Jahresverlaufs am spätesten der in Deutschland vorkommenden 5 Arten der Gattung Leucorrhinia. Die ersten Jungtiere können in ihren meist nur schwer zugänglichen Habitaten in der Regel erst ab dem 25. bis 28. Mai während den frühen Morgenstunden gefunden werden.

 
 
 

Schlupf einer männlichen Östlichen Moosjungfer von 7:36 Uhr bis 8:45 Uhr
(Fotos © H.-W. Wünsch, Brandenburg, 31.05.2011, xxl-Fotos per Fotoklick)

Die Imagines benötigen für ihre Reifezeit im Mittel 10 bis 12 Tage. Während dieser Zeit entfernen sie sich nicht weit von ihren Ursprungsgewässern. Die schon erwähnten, meist lichten Baumbestände in der Nähe ihrer angestammten Weiher und Seen werden von den heranreifenden Tieren unter anderem als Jagdhabitat genutzt.



Juveniles Männchen der Östlichen Moosjungfer (Foto © H.-W. Wünsch, Brandenburg, 28.05.2016, xxl-Foto per Fotoklick)

Nach Erreichen der Geschlechtsreife kehren zunächst die Männchen ans Wasser zurück. Hier besetzen sie Reviere, beispielsweise auf Schilfrohr, mit einem guten Ausblick auf die Wasserfläche, um auf einfliegende Weibchen zu warten. Konkurrierende artgleiche Eindringlinge werden von dort aus mit gezielten Anflügen genauso vehement vertrieben wie artfremde Libellen. Nach solchen Angriffen kehren die Männchen meist schnell wieder zu ihren Sitzwarten zurück. Diese werden dann nur zu unregelmäßigen und kurzen Patrouillenflügen wieder verlassen. Sobald ein paarungswilliges Weibchen entdeckt ist, wird dieses sofort angeflogen und im Flug ergriffen.



Juveniles Weibchen der Östlichen Moosjungfer (Foto © H.-W. Wünsch, Brandenburg, 26.05.2016, xxl-Foto per Fotoklick)

Unmittelbar danach wird die Paarung im Flug eingeleitet. Der Flug in einer Tandemformation ist allen Moosjungfernarten fremd. Die Kopula variiert zeitlich sehr stark und kann von wenigen Minuten bis zu einer halben Stunde andauern. Nach einer kurzen, gemeinsamen Ruhephase fliegt das Weibchen dann zur Eiablage alleine auf die offene Fläche des Gewässers hinaus, wo es die Eier mit wippenden Flugbewegungen über der Oberfläche abwirft. Nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen benötigen die Larven für ihre Entwicklung bis zur flugfertigen Libelle zwei Jahre.

Nahrung
Die Larven leben in der submersen Vegetation. Dort lauern sie tagsüber Beutetieren auf oder suchen aktiv nach Nahrung. Wie die meisten Libellenlarven ernähren sie sich von allem was sich bewegt und was sie überwältigen können.

Über die Ernährung der erwachsenen Östlichen Moosjungfern liegen wenig Literaturangaben vor. Sie jagen aber vermutlich u. a. Fliegen, Schmetterlinge und kleinere Libellenarten.

Verbreitung in D/Welt
Leucorrhinia albifrons ist ein eurosibirisches Faunenelement. Die Verbreitungsschwerpunkte liegen eindeutig im Tiefland der osteuropäischen Regionen, wo sie von Kasachstan im Süden bis nach Finnland im Norden vorkommt. Westeuropäische Gebiete werden bis zu einer Höhe von etwa 700 Metern üNN nur inselartig besiedelt. Durch menschliche Eingriffe in ihre Lebensräume ist die Östliche Moosjungfer in weiten Teilen Westeuropas verschwunden. Im Westen Deutschlands konnten in den letzten Jahren nur extrem seltene Einzelfunde dokumentiert werden. In den östlichen Bundesländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern existieren noch gesunde Populationen der Art. Die Östliche Moosjungfer gilt als eine der seltensten Libellenarten Europas. Bundesweit wird die Östliche Moosjungfer in der Roten Liste der bedrohten Libellenarten als "vom Aussterben bedroht" (RL 1) geführt.



Juveniles Weibchen der Östlichen Moosjungfer (Foto © H. Gospodinova, Brandenburg, 26.05.2016, xxl-Foto per Fotoklick)

Verbreitung in NRW
Obwohl in NRW im Juni 2011, während der Hauptflugzeit ein Exemplar von Leucorrhinia albifrons auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes "Senne" letztmalig gefunden werden konnte, gilt die Art in unserem Bundesland in der Roten Liste der bedrohten Libellenarten Nordrhein-Westfalens (2010) als "ausgestorben" (RL 0).

Benutzte Literatur
BELLMANN, H. (2007): Der Kosmos Libellenführer: Die Arten Mitteleuropas sicher bestimmen. Kosmos (Franckh-Kosmos). 279 S.

BÖNSEL, A., MAUERSBERGER, R. WACHUN, R. & V. (2010): Steckbriefe der in Mecklenburg-Vorpommern vorkommenden Arten der Anhänge II und IV der FFH - Richtlinie.

BROCHARD, C.; D. CROENENDIJK; E. VAN DER PLOEG & T. TERMAAT (2012): Fotogids Larvenhuidjes van Libellen. KNNV. 224 S.

BROCKHAUS, T., H.-J. ROLAND, T. BENKEN, K.-J. CONZE, A. GÜNTHER, K. G. LEIPELT, M. LOHR, A. MARTENS, R. MAUERSBERGER, J. OTT, F. SUHLING, F. WEIHRAUCH & C. WILLIGALLA (2015): Libellula Supplement 14: Atlas der Libellen Deutschlands (Odonata). S. 214

DIJKSTRA, K.-D. B. (2006): Field Guide to the dragonflies of Britain and Europe. British Wildlife Publishing Ltd. 320 S.

GLITZ, D. (2012): Libellen in Norddeutschland - Geländeschlüssel. NABU Niedersachsen, NABU Schleswig-Holstein, NABU Hamburg & NABU Mecklenburg-Vorpommern. 374 S. Buch u. DVD.

MAUERSBERGER, R.; O. BRAUNER; F. PETZOLD & M. KRUSE (2013): Die Libellenfauna des Landes Brandenburg. Heft 3,4

MENKE, N.; C. GÖCKING; N. GRÖNHAGEN; R. JOEST; M. LOHR; M. OLTHOFF & K.-J. CONZE unter Mitarbeit von C. ARTMEIER, U. HAESE & S. HENNIGS, mit Beiträgen zahlreicher Libellenkundler (2016): Die Libellen Nordrhein-Westfalens, Verbreitungsatlas.

ROTE LISTE und Artenverzeichnis der Libellen - Odonata - in Nordrhein-Westfalen (2010): 4. Fassung, Stand April 2010, Arbeitskreis Libellen NRW - Klaus-Jürgen Conze, Nina Grönhagen unter Mitarbeit von Edgar Baierl, Andreas Barkow, Ludger Behle, Norbert Menke, Matthias Olthoff, Eva Lisges, Mathias Lohr, Martin Schlüpmann und Eberhard Schmidt - PDF

STERNBERG, K. & R. BUCHWALD (2000): Libellen Baden-Württembergs, Bd. 2, Großlibellen (Anisoptera). Ulmer Verlag. 534 S.

WILDERMUTH, H. & A. MARTENS (2014): Taschenlexikon der Libellen Europas. Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Portrait. 824 Seiten, Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co. Wiebelsheim

WÜNSCH, H.-W. & H. GOSPODINOVA (2012): Die Libellen Nordrhein-Westfalens und darüber hinaus. CD-ROM, Band 2, Großlibellen, 4. aktualisierte Auflage.


Zur Buchliste weiterer interessanter Libellen-Bücher auf www.natur-in-nrw.de

Weitere Informationen zu Libellen (Odonata) im Internet

Arbeitskreis zum Schutz und zur Kartierung der Libellen in Nordrhein-Westfalen: Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste

www.waldschrat-online.de: Libellen und andere Artengruppen Nordrhein-Westfalens in Bild und Text (mit Schwerpunkt NSG Wahner Heide bei Köln)

www.libellenwissen.de: Alles Wissenswerte über Libellen in Bild und Text von Andreas Thomas Hein

Schutzgemeinschaft Libellen in Baden-Württemberg e.V. (SGL): Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste, Kartierung, Biologie, Ökologie usw.


Zur Linkliste weiterer interessanter Libellen-Internetseiten auf www.natur-in-nrw.de