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Sumpf-Heidelibelle - Sympetrum depressiusculum (SELYS, 1841)
Artenprofil von H. Gospodinova & H.-W. Wünsch
(Letzte Änderung: 24.12.2013)


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Familie: Segellibellen (Libellulidae)
Gattung: Heidelibellen (Sympetrum)

Fotos (© H.-W. Wünsch)
Dülmen


(xxl-Foto)
Männchen
14.08.2010

(xxl-Foto)
Männchen
13.08.2011

(xxl-Foto)
Weibchen
13.08.2011
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich

(xxl-Foto)
Weibchen
13.08.2011

(xxl-Foto)
Männchen
13.08.2011
 
Besondere Merkmale

Insekten-ABC, Erklärungen von Fachbegriffen

Erklärungen zum Artnamen: "depressiusculum" leitet sich vom lateinischen "depressus" für "flachgedrückt" ab. Damit wird auf den leicht abgeflachten Hinterleib der Tiere Bezug genommen. Der deutsche Artname Sumpf-Heidelibelle deutet auf den von dieser Art favorisierten Lebensraum hin.



Vergleich der männlichen und weiblichen Sumpf-Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, xxl-Foto)

Die Sumpf-Heidelibelle (Sympetrum depressiusculum) kann von den 9 im Land Nordrhein-Westfalen vorkommenden Heidelibellenarten neben der Gebänderten Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum), mit der sie nahe verwandt ist, wohl als die schönste Heidelibellenart bezeichnet werden. Beide Arten haben auch ihren eigenen Flugstil. Beim Fliegen schimmern die Flügel der Sumpf-Heidelibelle golden.
Die zu den Segellibellen zählende Sumpf-Heidelibelle weist eine Flügelspannweite von 5 bis 6 Zentimetern auf. Die durchschnittliche Körperlänge liegt bei 4 bis 4,5 Zentimetern. Im Jungstadium erscheinen beide Geschlechter in einem dunkelgelben Farbton. An den Seiten der Hinterleibssegmente 3 bis 8 befinden sich kleine, schwarze Keilflecken, die mit der Spitze nach vorne zeigen. Diese markante Zeichnung verliert sich mit zunehmendem Alter der Tiere jedoch wieder. Der Hinterleib der Männchen ist stark abgeflacht und im hinteren Drittel des Abdomens keulig verdickt.



Junges Männchen der Sumpf-Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, xxl-Foto)

Heranwachsende Männchen sind an einem seitlich verlaufenden gelben Streifen an dem sich langsam ins rötliche verfärbenden Abdomen zu erkennen. Dieser Streifen verschwindet jedoch mit dem Erreichen der Geschlechtsreife. Dann erscheinen die Männchen mit einem leuchtend roten Hinterleib.



Junges Männchen der Sumpf-Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, xxl-Foto)

Die Weibchen behalten ihre ockerfarbene gelbe Färbung weitestgehend bei. Lediglich im Alter wirkt diese etwas dunkler. Die Legeklappe der weiblichen Tiere liegt im Gegensatz zu denen anderer Heidelibellenarten eng am Hinterleib an und ist somit kaum zu erkennen. Die Beine der Art sind, wie bei der Blutroten Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) vollkommen schwarz gefärbt. Die Flügeläderung unterscheidet sich gegenüber anderen Sympetrum-Arten durch die sehr hohe Dichte der Flügelzellen.

Larve/Exuvie (Angaben aus BELLMANN 2007):
Plumpe Larve mit Analpyramide aus 5 Dornen > Fangmaske gewölbt, Fanghaken dreieckig, fein gewellt und mit kurzem beweglichem Zahn > Kopf hinter den Augen deutlich verschmälert > Ventralseite des Abdomens ohne dunkle Flecke > Abdomen mit Dorsaldorn auf Segment 8 > Dorsaldornen mindestens halbe Segmentlänge > Lateraldornen nur an den Segmenten 8 und 9 > Lateraldornen des 9. Segment länger als dieses

Übersicht aller in NRW vorkommenden Libellenarten der Gattung Sympetrum:


S. danae
Schwarze Heidelibelle



S. depressiusculum
Sumpf-Heidelibelle



S. flaveolum
Gefleckte Heidelibelle



S. fonscolombii
Frühe Heidelibelle



S. meridionale
Südliche Heidelibelle



S. pedemontanum
Gebänderte Heidelibelle



S. sanguineum
Blutrote Heidelibelle


S. striolatum
Große Heidelibelle


S. vulgatum
Gemeine Heidelibelle


Lebensraum
Bis vor einigen Jahren galt Sympetrum depressiusculum als Charakterart dynamisch überschwemmter Verlandungszonen diverser Gewässer. Es erschien für das Vorkommen der Art als überlebenswichtig, dass sich die Feuchtgebiete in ihrer Beschaffenheit permanent verändern müssten. Diese Erkenntnisse gelten mittlerweile als nicht mehr haltbar.



Frisches Weibchen der Sumpf-Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, xxl-Foto)

Sympetrum depressiusculum besiedelt vorwiegend sommerwarme Sumpfwiesen, warme Verlandungszonen von stehenden Gewässern, Kalkniedermoore, seggenreiche Übergangsmoore und flache Torfstiche. Selten werden Überschwemmungszonen von Flüssen als Habitat angenommen. Untersuchungen von Prof. B. Schmidt (1996) zeigten, dass die Art eine Vorliebe für sonnenbeschienene Fischteiche mit niedriger Ufervegetation entwickelt hat. In derartigen Habitaten entwickeln sich Bestände von bundesweiter Bedeutung. In kleineren Moorgebieten tritt die Art gelegentlich als Vermehrungsgast (s. u.) auf, jedoch ohne die Möglichkeit sich dort erfolgreich zu reproduzieren.

Vermehrungsgast (Quelle: www.libelleninfo.de): "Darunter werden Arten verstanden, die in manchen Jahren in das Gebiet einwandern, sich paaren und Eier legen. Die Eier bzw. die Larven überleben den nächsten Winter jedoch nur äußerst selten, so dass höchsten wenige Nachkommen im nächsten Jahr schlüpfen. Diese Tiere gelangen jedoch nicht zur Geschlechtsreife. Die Art kann sich deshalb nicht im Gebiet etablieren. Sollten sich jedoch die Lebensumstände verändern (wie dies auf Grund der Klimaerwärmung geschieht), dann kann die Art durchaus heimisch werden. Dann verliert sie aber auch ihren Status als "Vermehrungsgast"."

Biologie und Lebensweise



Junges, gerade geschlüpftes, Weibchen der Sumpf-Heidelibelle mit Exuvie (Foto: H.-W. Wünsch, 13.08.2011, xxl-Foto)

Als eine recht späte Art beginnt der Schlupfzeitraum der Sumpf-Heidelibelle erst in der zweiten Julihälfte und erreicht bis Ende August ihren Höhepunkt. Unter sehr günstigen Bedingungen fliegt die Art dann bis Anfang November.



Frisches Weibchen der Sumpf-Heidelibelle kurz vor dem ersten Flug (Foto: H.-W. Wünsch, 13.08.2011, xxl-Foto)

Drei Wochen nach dem Schlüpfen sind die Tiere geschlechtsreif. Während ihrer Reifezeit entfernt sich die Art nicht sonderlich weit vom angestammten Gewässer. Sympetrum depressiusculum ist sehr wärmeliebend und erreicht ihr Aktivitätsmaximum erst um die Mittagszeit. Sitzplätze zum Sonnenbaden und zum Jagdansitz werden gegenüber anderen Heidelibellenarten sehr häufig in Höhen über 1,5 Meter über dem Boden gewählt.



Weibchen der Sumpf-Heidelibelle in der sogenannten Obelisk-Stellung,
die an sehr heißen Tagen eine Überhitzung des Körpers verhindern soll (Foto: H.-W. Wünsch, 03.09.2011, xxl-Foto)

Erst im Herbst, wenn es kühler wird, suchen sie auch bodennahe Sitzwarten z. B. auf Steinen auf. Während der heißen Tagesstunden kann die Art bei längeren Segelflügen, die der Abkühlung dienen, beobachtet werden. Am Nachmittag tritt dann eine Art Aktivitätspause ein, die bis in die frühen Abendstunden andauern kann. Am Abend ist die Sumpf-Heidelibelle wieder in mehrminütigen Flugphasen zu sehen. Zur Nacht suchen die Tiere gemeinsam lichte Schlafplätze auf, wo sie in großer Zahl mit anderen Heidelibellenarten vergesellschaftet die Nacht verbringen. Am Morgen beginnt Sympetrum depressiusculum mit vibrierenden Flügeln ihre Aufwärmphase. Bereits bei Temperaturen von 10° bis 14°C beginnen die Männchen mit Flugaktivitäten. Der morgendliche Jagdflug geht am späten Vormittag nahtlos in den Suchflug nach Weibchen über. Zwischen den Flügen werden häufig Sitzwarten aufgesucht. Die Männchen zeigen trotz hoher Individuendichte extrem wenig Aggressivität gegenüber ihren Artgenossen. Es scheint also kein direktes Territorialverhalten zu geben.



Tandem der Sumpf-Heidelibelle (links das Männchen, Foto: H.-W. Wünsch, 14.08.2010, xxl-Foto)

Besonderheiten bei der Fortpflanzung: Wird ein Weibchen entdeckt, wird es im Flug ergriffen und in Tandemformation zum Gewässer geführt. Hier imitiert das Weibchen zunächst durch wippende Bewegungen eine Eiablage, ohne jedoch die Wasseroberfläche zu berühren oder Eier abzulegen. Ohne diese vorherige Simulation kommt es nicht zur Radbildung. Dieses Verhalten ist noch nicht hinreichend geklärt. Möglicherweise zeigt das Männchen dem Weibchen den künftigen Eiablageplatz.



Paarungsrad (= Kopula) der Sumpf-Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, 14.08.2010, xxl-Foto)

Erst danach kommt es zur Kopula, dem eigentlichen Paarungsrad, welches im Flug über dem Wasser gebildet wird. Danach fliegt das Paar an Land um die Paarung, die zwischen 5 und 40 Minuten dauern kann, in der Vegetation zu beenden. Die Eiablage ist im Gegensatz zur Paarung nur von kurzer Dauer und findet in Tandemstellung statt. Häufig erfolgen nach der Eiablage weitere Kopulationen. Nur ganz selten können Weibchen bei alleiniger Eiablage beobachtet werden.

Die Eier werden nach erfolgreicher Kopulation an auf der Wasseroberfläche treibenden Algen abgestreift. Sie überwintern in diesem Stadium. Im zeitigen Frühjahr schlüpfen dann die Larven, die sich dann nach mehreren Entwicklungsstufen bis Mitte Juli desselben Jahres bis zur Imago entwickeln.

Nahrung
Adulte: Die Nahrung wird zum größten Teil im Flug erbeutet. Das Beutespektrum besteht aus Fliegen, Mücken und anderen Kleininsekten.
Besonderheit: Die Art erbeutet auch Streckerspinnen (Tetragnatha extensa), wobei sie in der Lage ist, diese aus ihren Netzen zu reißen, indem sie ihre Beine als Fangkorb benutzt.

Larven: Die räuberischen Larven leben von Wasserflöhen, Kaulquappen, Kleinkrebsen und anderen Insektenlarven.

Verbreitung in D/Welt



Frontalansicht einer Sumpf-Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, 14.08.2010, xxl-Foto)

Die Sumpf-Heidelibelle ist ein ostmediterranes Faunenelement dessen Verbreitung in einem schmalen Streifen vom fernen Osten von Japan, Sibirien und der Mongolei bis nach Mitteleuropa verläuft. Sie besiedelt den nördlichen Balkan, südlich der Alpen den Tessin und Südfrankreich, bis zum Rhonedelta und der Camargue. Nördlich der Alpen kommt sie im bayerischen Alpenvorland, am Bodensee, der Donauniederung und in der Schweiz vor. Die Art fehlt in Spanien, Großbritannien und ganz Skandinavien. Aus dem restlichen Europa sind nur einzelne Streufunde bekannt. Sympetrum depressiusculum hat in den letzten Jahrzehnten außerordentliche Bestandseinbußen erfahren. War sie bis in die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts in Deutschland "sehr verbreitet", gilt sie heute als extrem selten. Dies ist nicht zuletzt auf den Verlust optimaler Lebensräume zurückzuführen.
Trotz der an ihren seltenen Fundorten zu beobachtenden hohen Individuendichte wird Sympetrum depressiusculum in der Roten Liste gebietsweise als "stark gefährdet" oder sogar als "vom Aussterben bedroht" geführt.

Verbreitung in NRW
Aus unserem Bundesland ist nur ein einziger Fundort bekannt. An einer Fischteichanlage innerhalb eines Naturschutzgebietes nahe der Stadt Dülmen existiert eine Population, die die Autoren nach mehrjährigen, regelmäßigen Begehungen zur Hauptabundanz der Art auf einen Bestand von mehreren Tausend Individuen schätzt. Genauere Angaben den Fundort betreffend, können hier aus Natur- und Artenschutzgründen nicht gemacht werden.

Benutzte Literatur
BELLMANN, H. (2007): Der Kosmos Libellenführer: Die Arten Mitteleuropas sicher bestimmen. Kosmos (Franckh-Kosmos). 279 S.

DIJKSTRA, Klaas-Douwe B. (2006): Field Guide to the dragonflies of Britain and Europe. British Wildlife Publishing Ltd. 320 S.

GESELLSCHAFT DEUTSCHSPRACHIGER ODANOTOLOGEN (GDO) (2009): Libellula Supplement 9: Atlas of the Odonata of the Mediterranean and North Africa. S. 205 ff.

GESELLSCHAFT DEUTSCHSPRACHIGER ODANOTOLOGEN (GDO) (2010): Libellula, Supplement 10, Studien zur Libellenfauna Griechenlands. Seite 120 ff.

GLITZ, D. (2009): Libellen-Geländeschlüssel für Rheinland-Pfalz und das Saarland. NABU Rheinland-Pfalz & NABU Saarland. 109 S.

KUHN, K. & K. BURBACH (1998): Libellen in Bayern. Eugen Ulmer, Stuttgart. S. 176 ff

HILL, B., H.-J. ROLAND, S. STÜBING & C. GESKE (2011): Atlas der Libellen Hessens. FENA Wissen, Band 1: 184 S.; S. 152 ff.

STERNBERG, K. & R. BUCHWALD (2000): Libellen Baden-Württembergs, Bd. 2, Großlibellen (Anisoptera). Ulmer Verlag. 534 ff.

Internet: www.waldschrat-online.de:: H. Gospodinova & H.-W. Wünsch: Die Libellen Nordrhein-Westfalens. 3. aktualisierte Auflage 2011 (CD-ROM Band 1: Großlibellen).

WENDLER, A. & NÜß, J.-H. (1991): Libellen: Bestimmung, Verbreitung, Lebensräume und Gefährdung aller Arten Nord- und Mitteleuropas sowie Frankreichs unter besonderer Berücksichtigung Deutschlands und der Schweiz. - Hamburg: DJN 1991, 129 S.


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Weitere Informationen zu Libellen (Odonata) im Internet

Arbeitskreises zum Schutz und zur Kartierung der Libellen in Nordrhein-Westfalen: Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste

www.libellenwissen.de: Sehr viele Informationen über Libellen, Bestimmungshilfen, Fotogalerien uvm. von Andreas Thomas Hein

Schutzgemeinschaft Libellen in Baden-Württemberg e.V. (SGL): Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste, Kartierung, Biologie, Ökologie usw.


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