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Frühe Heidelibelle - Sympetrum fonscolombii (SELYS, 1840)
Artenprofil von H. Gospodinova & H.-W. Wünsch
(Letzte Änderung: 24.12.2013)


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Familie: Segellibellen (Libellulidae)
Gattung: Heidelibellen (Sympetrum)

Fotos (© H.-W. Wünsch)
Juntersdorf (1-2), Dülmen (3)


(xxl-Foto)
Weibchen
01.10.2013

(xxl-Foto)
Weibchen
03.10.2013

(xxl-Foto)
Weibchen
25.08.2013
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich
     
Besondere Merkmale

Insekten-ABC, Erklärungen von Fachbegriffen

Im Unterschied zu anderen Sympetrum-Arten ist das relativ große Flügelmal auch bei ausgefärbten Tieren gelb-ockerfarben gefärbt (ACHTUNG: Ebenso bei immaturen (= jungen) Exemplaren anderer Sympetrum-Arten) und von schwarzen Adern umrandet.
Bei frisch geschlüpften Tieren ist das merkwürdig leuchtende Gelb, das Graublau der unteren Augenhälfte in Verbindung mit dem gelben Fleck an der Hinterflügelbasis auffallend.

Männchen: Der Hinterleib ist intensiv rot, die Stirn rot mit markant abgesetztem blassgrünem Streifen entlang des Augenvorderrandes. Die Hauptflügeladern der basalen (inneren) Flügelhälfte sind größtenteils rot. Diese Rotfärbung entwickelt sich schon bald nach dem Schlüpfen. Der Thorax weist schmale, helle Seitenbinden auf.



Männchen der 1. Generation der Frühen Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, 07.07.2013, NSG Weidenpesch (Köln), xxl-Foto)



Männchen der 2. Generation der Frühen Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, 31.08.2013, NSG Weidenpesch (Köln), xxl-Foto)

Weibchen: Die Flügel besitzen einen gelben Basalfleck von unterschiedlicher Ausdehnung (gelegentlich so groß wie bei Sympetrum flaveolum, der Gefleckten Heidelibelle) und hellgelber Aderung. Die untere Augenhälfte ist auch hier von graublauer Färbung. Entlang der Abdominalsegmente verläuft eine feine Schwarzzeichnung, die durch die Trennlinien der einzelnen Segmente unterbrochen wird. Die Legeklappe ist anliegend.



Weibchen der 2. Generation der Frühen Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, 31.08.2013, NSG Weidenpesch (Köln),xxl-Foto)

Bei beiden Geschlechtern befindet sich auf der Oberseite der Hinterleibssegmente 8 und 9 jeweils ein schwarzer Fleck.

Körperlänge: 3-4 cm; Flügelspannweite: 5,5-6,5 cm


Übersicht aller in NRW vorkommenden Libellenarten der Gattung Sympetrum:


S. danae
Schwarze Heidelibelle



S. depressiusculum
Sumpf-Heidelibelle



S. flaveolum
Gefleckte Heidelibelle



S. fonscolombii
Frühe Heidelibelle



S. meridionale
Südliche Heidelibelle



S. pedemontanum
Gebänderte Heidelibelle



S. sanguineum
Blutrote Heidelibelle


S. striolatum
Große Heidelibelle


S. vulgatum
Gemeine Heidelibelle


Lebensraum
Die Frühe Heidelibelle ist eine sehr wärmeliebende Art. Sie besiedelt in warmen Regionen, wie z. B. dem Mittelmeergebiet oder Afrika, verschiedenste Biotope. Das Spektrum ihrer Lebensräume reicht dort von Sümpfen und Teichen mit starker Vegetation bis hin zu pflanzenlosen Tümpeln, die sogar teilweise austrocknen können bzw. sogar zeitweise trockenfallen müssen.



Männchen der Frühen Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, 07.07.2013, NSG Weidenpesch (Köln), xxl-Foto)

In unseren heimischen Gefilden ist die Art wesentlich wählerischer und bevorzugt kaum oder wenig bewachsene stehende Gewässer, die sich durch Flachwasserzonen auszeichnen und aufgrund intensiver Sonneneinstrahlung sehr schnell erwärmen. Die Gewässer sollten darüber hinaus eine gewisse Dynamik aufweisen, indem sie sich von Zeit zu Zeit stetig in ihrem Wasserstand verändern.
Von den Imagines bevorzugte Gewässer weisen eine Größe von einigen Ar (1 Ar = 100 m2) bis einem Hektar (1 ha = 10.000 m2) auf. Dort fliegen sie in den flachen Uferbereichen über Wassertiefen von 10 bis 50 cm.
Weitere Populationen wurden an verschiedenen, nur 10 m2 bis 25 m2 großen Kiesgrubentümpeln gefunden, die während langanhaltender Hitzeperioden im Sommer austrockneten.

Sympetrum fonscolombii benötigt zusätzlich zu den genannten Gewässertypen große offene Flächen mit niederer Ruderalvegetation, die als Reife- und Jagdhabitat genutzt werden können. Dies können sowohl größere Wildwiesen oder aber auch Ackerflächen sein.
In verschiedenen Lebensräumen Nordrhein-Westfalens, welche die Frühe Heidelibelle besiedelte, konnte beobachtet werden, dass die ohnehin kleinen Populationen mit zunehmender Verbuschung der Gewässer ständig abnahmen bis nur noch sporadisch Einzeltiere gesichtet wurden. Sofern im weiteren Verlauf keine Habitat-Pflegemaßnahmen eingeleitet werden führt dies schließlich zum Erlöschen der Bestände.



Weibchen der 3. Generation der Frühen Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, 21.10.2010, Mallorca (Spanien), xxl-Foto)

Die Larven tolerieren im Mittelmeerraum auch leichte Wasserströmungen. Erstaunlich ist, dass sie sich vermutlich auch in Salzwasser entwickeln können. Die Autoren beobachteten im Oktober 2010 auf Mallorca frisch geschlüpfte Imagines in direkter Nähe eines sehr flachen und ruhigen Küstenabschnitts, abseits jedes noch so kleinen Süßwasservorkommens.



Männchen der 2. Generation der Frühen Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, 20.06.2013 , Saint-Martin-de-Crau (Frankreich), xxl-Foto)

Für ihre Imaginalhäutung benötigen die Larven keine speziellen Strukturen. Sie schlüpfen je nach Ort und dessen Beschaffenheit rein opportunistisch. Das Spektrum für geeignete Emergenzstrukturen reicht von zwei Meter hohen Ästen bis zu größeren Steinen am Gewässerufer. Die Art ist nicht nur als Imago sehr wanderfreudig; auch die Larven können zum Schlüpfen längere Strecken über Land zurücklegen. Es wurden schon Exuvien in bis zu 50 Meter Entfernung vom Gewässer gefunden.

Biologie und Lebensweise
In der Mittelmeerregion ist Sympetrum fonscolombii wohl regelmäßig bivoltin, das heißt mit 2 Generationen pro Jahr vertreten. Im äußersten Süden Europas ist die Art teilweise sogar trivoltin und bildet 3 Generationen pro Jahr. In Regionen ohne ausgeprägte Jahreszeiten, wie z. B. in Afrika, kann man vermutlich sogar permanent schlüpfende Tiere beobachten.
Die in unseren heimischen Breiten im Mai aus südlichen Regionen einfliegenden Frühen Heidelibellen werden als die 1. Generation bezeichnet. Die Imagines kommen vermutlich aus mediterranen Landstrichen entweder über die Alpen oder das Rhonetal zu uns und suchen hier passende Habitate (siehe Lebensraum) auf. Genauere Untersuchungen stehen noch aus.



Kopula (Paarung) der Frühen Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, 06.07.2013, Dortmund, xxl-Foto)

Die bereits geschlechtsreifen Tiere beginnen an den Gewässern unserer heimischen Gefilde unverzüglich mit Fortpflanzungsaktivitäten wie Paarung und Eiablage. Wenige Wochen danach erlischt die 1. Generation aus Altersgründen.

Die Embryonal- und Larvalentwicklung verläuft meist sehr schnell. Es ist jedoch auch möglich, dass Eier längere Trockenzeiten überstehen können, wenn ein Kleingewässer während des Sommers trocken fällt. Dann kommt es zu einer sogenannten "Eiruhe". Einige entdeckte Frühjahrsgenerationen belegen, dass die Art hier auch überwintern kann.

Den Autoren gelang am 8. Mai 2008 im Naturschutzgebiet "Wahner Heide" bei Köln der Nachweis eines juvenilen Weibchens von Sympetrum fonscolombii. Laut der Statistik des verantwortlichen Dachverbandes war dies der erste Nachweis dort seit 1925.
Unter durchschnittlichen mitteleuropäischen Witterungsverhältnissen dauert die Entwicklung der Art von der Eiablage bis zur Emergenz zwischen 54 und 75 Tagen. Dabei werden 11 Stadien durchlaufen, die jeweils mit einer Häutung abgeschlossen werden.



Kopula (Paarung) der Frühen Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, 07.07.2013, NSG Weidenpesch (Köln), xxl-Foto)

Wenn Mitte Mai die 1. Generation hierzulande eingeflogen ist und Eier ablegt, können unter günstigen Bedingungen bereits 2 Monate später juvenile Exemplare der Art beobachtet werden. Da sich der Einflug der 1. Generation jedoch über mehrere Wochen hinziehen kann und sich zudem die larvale Entwicklung durch zwischenzeitliche Schlechtwetterperioden verzögern kann, ist eine Emergenz von Jungtieren der 2. Generation noch weit bis in den November möglich. Ob die spät schlüpfenden Tiere eine erfolgreiche Abwanderung in südliche Regionen bewerkstelligen können ist fraglich.





Fehlgriff innerhalb eines Paarungsrads durch ein Männchen der Großen Heidelibelle (links/vorne) und einer
weiblichen Frühen Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, 03.10.2013, xxl-Fotos per Fotoklick)

Eine Emergenz der Art ist sehr schwer zu beobachten und zu dokumentieren. Die Verwandlung zur Imago beginnt zumeist erst kurz nach Sonnenuntergang und vollzieht sich in der ersten Nachthälfte. Gleich nach Sonnenaufgang starten die Tiere dann zu ihrem Jungfernflug. Die 2. Generation von Jungtieren kann dabei beobachtet werden, wie sie im Umfeld ihres Schlupfortes noch einige Tage jagt und Kräfte sammelt, um anschließend die Wanderung nach Süden zu beginnen.

Nahrung
Adulte: Zum Nahrungsspektrum zählen kleine Insekten wie Mücken, Schwebfliegen und Schnaken, die im Flug erbeutet werden.

Larven: Die Larven ernähren sich von im Wasser vorkommenden Insektenlarven von Stein- und Köcherfliegen, Larven diverser Zygoptera (Kleinlibellenarten) sowie anderen Kleinorganismen wie Wasserflöhen und Kleinkrebsen.

Verbreitung in D/Welt
Das Hauptareal von Sympetrum fonscolombii umfasst das gesamte Mittelmeergebiet, Nordafrika, Madeira, die kanarischen Inseln, die Azoren, Mittelasien, Kashmir, Indien, Sri Lanka und weiter ostwärts bis nach China und Japan.



Die Obelisk-Stellung wird von Libellen bei starker Sonneneinstrahlung eingenommen.
Die ungewöhnliche Haltung verhindert, aufgrund des geänderten Sonneneinstrahlungswinkels, eine Überhitzung.
Weibchen der Frühen Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, 07.07.2013, NSG Weidenpesch (Köln), xxl-Foto)

Als "Invasionsart" dringt die Frühe Heidelibelle in mehreren Schüben von unterschiedlicher Stärke pro Jahr von Süden bis zu den Britischen Inseln einschließlich Schottland und Irland vor.
In Deutschland ist die Art häufiger in den südlichen und westlichen Bundesländer nachgewiesen. Nach Norden hin nimmt ihre Abbundanz stark ab. Als nördlichster Verbreitungspunkt in Deutschland gelang im Jahr 1998 ein Entwicklungsnachweis auf Helgoland. In der aktuellen Deutschen Roten Liste der bedrohten Libellenarten (libellula.org) wird Sympetrum fonscolombii als ursprüngliche Einwanderungsart noch als "nicht bewertet" eingestuft. Diese Liste befindet sich allerdings aktuell in Bearbeitung und wird in der nächsten Fassung sicher auch einen Wert für die Frühe Heidelibelle führen.

Verbreitung in NRW
Die Frühe Heidelibelle findet man in kleinen Populationen an geeigneten, kleinen bis mittelgroßen, stehenden Gewässern mit entsprechender Sonnenbestrahlung und ausgedehnten Flachwasserzonen mit niedriger bis keinerlei Ufervegetation. Als eine reine Wanderlibellenart ist ihr Vorkommen recht unstet und kann von Jahr zu Jahr extrem unterschiedlich ausfallen.



Makro einer männlichen Frühen Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, 07.07.2013, NSG Weidenpesch (Köln), xxl-Foto)

Die Art galt bis vor Kurzem in Deutschland doch als "Dispersalart" mit defizitären Daten und wurde daher als hin und wieder einfliegender "Gast" bezeichnet. Heute ist bekannt, dass kleine Bestände hierzulande bodenständig sind und erfolgreich überwintern. Als thermophile Art profitiert die Frühe Heidelibelle von klimatischen Effekten (Erwärmung hierzulande) und wird somit in der aktuellen Roten Liste der bedrohten Libellenarten Nordrhein-Westfalens (2010) als ungefährdet eingestuft. Die Art steht aber - wie alle Libellenarten - per Gesetz unter Naturschutz.

Benutzte Literatur
Arbeitskreis Libellen NRW - Klaus-Jürgen Conze, Nina Grönhagen unter Mitarbeit von Edgar Baierl, Andreas Barkow, Ludger Behle, Norbert Menke, Matthias Olthoff, Eva Lisges, Mathias Lohr, Martin Schlüpmann und Eberhard Schmidt (2010): Rote Liste und Artenverzeichnis der Libellen - Odonata - in Nordrhein-Westfalen. Großlibellen - Anisoptera. 4. Fassung, Stand April 2010

BELLMANN, H. (2007): Der Kosmos Libellenführer: Die Arten Mitteleuropas sicher bestimmen. Kosmos (Franckh-Kosmos). 279 S.

DIJKSTRA, K.-D. B. (2006): Field Guide to the dragonflies of Britain and Europe. British Wildlife Publishing Ltd. 320 S.

GERKEN, B. & K. STERNBERG (1999): Die Exuvien europäischer Libellen - The exuviae of european dragonflies. Höxter, Jena: Arnika & Eisvogel.

GLITZ, D. (2012): Libellen in Norddeutschland, ein Geländeschlüssel.

HILL, B., H.-J. ROLAND, S. STÜBING & C. GESKE (2011): Atlas der Libellen Hessens. FENA Wissen, Band 1: 184 S.; S. 152 ff.

HOLZINGER, W. & B. KOMPOSCH (2012): Band 6 von Natur Kärnten; Die Libellen Kärntens. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Österreich. 336 S.

JURZITZA, G. (2000): Der Kosmos-Libellenführer. Stuttgart: Franckh-Kosmos

KUHN, K. & K. BURBACH (1998): Libellen in Bayern. Eugen Ulmer, Stuttgart. S. 176 ff

STERNBERG, K. & R. BUCHWALD (2000): Libellen Baden-Württembergs, Bd. 2, Großlibellen (Anisoptera). Ulmer Verlag. 534 ff.

WENDLER, A. & NÜß, J.-H. (1991): Libellen: Bestimmung, Verbreitung, Lebensräume und Gefährdung aller Arten Nord- und Mitteleuropas sowie Frankreichs unter besonderer Berücksichtigung Deutschlands und der Schweiz. - Hamburg: DJN 1991, 129 S.

WILDERMUTH, H., (2010): Wissenschaftliche Arbeit zum Thema "Waldlichtungen als terrestrische Habitate von Libellen (Odonata)". ENTOMO HELVETICA 3: 7-24

WÜNSCH, H.-W., GOSPODINOVA, H. (2012): Die Libellen Nordrhein-Westfalens. CD-ROM, Band 2, Großlibellen, 4. aktualisierte Auflage.


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Weitere Informationen zu Libellen (Odonata) im Internet

Arbeitskreises zum Schutz und zur Kartierung der Libellen in Nordrhein-Westfalen: Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste

www.libellenwissen.de: Sehr viele Informationen über Libellen, Bestimmungshilfen, Fotogalerien uvm. von Andreas Thomas Hein

Schutzgemeinschaft Libellen in Baden-Württemberg e.V. (SGL): Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste, Kartierung, Biologie, Ökologie usw.


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