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Taubenschwänzchen - Macroglossum stellatarum (LINNAEUS, 1758)
Artenprofil von Hans-Joachim Weigt
Letzte Änderung: 06.09.2012


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Schwärmer (Sphingidae)
Unterfamilie:Großzungenschwärmer (Macroglossinae)

Fotos (© Jochen Rodenkirchen)
Erftstadt-Scheuren


(xxl-Foto)
23.08.2011

(xxl-Foto)
23.08.2011

(xxl-Foto)
23.08.2011
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich
     
Besondere Merkmale

Insekten-ABC, Erklärungen von Fachbegriffen

Der tagaktive Schwärmer besitzt einen gedrungenen Körper mit besonders aerodynamischem Profil. Das befähigt ihn, sich in alle Richtungen blitzschnell zu bewegen. Männliche und weibliche Imagines unterscheiden sich nicht.
Die Vorderflügel sind schmal und gestreckt, die Hinterflügel klein. Die Färbung der Vorderflügel ist ein mittleres steingrau. Basal- und Saumfeld sind etwa zwei Tonstufen dunkler. Das Basalfeld wird von einer schwarzen geschwungenen Linie begrenzt. Im Feld selbst ist häufig noch eine weitere Linie zu erkennen, die meist aber nur rudimentär in Erscheinung tritt. Durch das hellere Mittelfeld zieht sich eine kurze schwarze Binde, die am Vorderrand beginnt, auf Ader m1 nahezu rechtwinkelig abknickt und auf Ader m3 bereits endet. Ein kleiner schwarzer Zelladerpunkt ist die einzige Zeichnung. Das breit im Apex beginnende Außenfeld wird zum Außenwinkel immer schmaler, bis es ganz verschwindet. In vielen Fällen wird das Außenfeld von einem dunkelgrauen Schatten basalseits begleitet.
Die Hinterflügel sind gelborange, basalseits und im Außenfeld braun verdunkelt. Die Vorderflügelunterseite ist trüb rostrot, der Außenrand grau. Die Unterseite der Hinterflügel ist hellbraun. Alle Flügel zeigen eine fast verloschene dunkle Mittelbinde.

Besonders auffällig ist der Körper: Oberseits ist er zeichnungslos grau wie die Vorderflügel, unterseits hellgrau gefärbt. Die Grenzen dieser Färbungen verlaufen exakt durch die Mitte, sodass der Kopf förmlich in zwei Hälften geteilt wird. Das letzte Drittel des Hinterleibes wird von recht großen, seitlich angeordneten Haarbüscheln dominiert: zwei obere weiße und darunter zwei schwarze. Weitere zwei Haarbüschel befinden sich direkt am Ende des Hinterleibes. Dieser Tauben- oder Karpfenschwanz dient, ähnlich wie bei Vögeln, vor allem der Steuerung und ist der Grund für den deutschen Artnamen von Macroglossum stellatarum .


Taubenschwänzchen in Ruheposition
Foto © H.-J. Weigt


Flügelspannweite: 35-40 mm

Ei: Schwach oval, leicht abgeplattet. Hellgrün mit sehr feiner Wabenstruktur. Längsdurchmesser ca. 1,3 mm, Querdurchmesser und Höhe 1,0 mm.



Eiablage des Taubenschwänzchen am Wiesen-Labkraut (Galium mollugo), Schwerter Stadtgebiet, 06.07.2012, Foto © H.-J. Weigt)

Raupe: Die schlanke hellgrüne, seltener auch braune Raupe ist übersät mit kleinen weißen, dunkel umrandeten Pünktchen. Sie sind in Reihen quer über den Körper verteilt.

      

Ausgewachsene Raupe des Taubenschwänzchen (Fotos © Jochen Rodenkirchen, 26.07.2011, xxl-Fotos: 1, 2, 3)

Die Dorsallinie ist nur ganz schwach, dunkler grün, ausgebildet. Es dominieren breite weiße Subdorsal- und Lateralbänder, die von dunklen Schatten begleitet werden. Bei braunen Raupen sind diese Bänder meist rosa. Die Ventralseite ist zeichnungslos. Bauch- und Brustfüße sind rot gefärbt.



Taubenschwänzchen-Raupe mit typischem Analhorn (Foto © Jochen Rodenkirchen, 26.07.2011)

Am auffälligsten ist das für alle Schwärmerarten typische Analhorn. Es ist blau, mit orangeroter Spitze.



Ausgewachsene Raupe des Taubenschwänzchen in dorsaler, lateraler und ventraler Ansicht, unten rechts: bräunlich verfärbte kurz vor der Verpuppung stehende Raupe (Fotos © Hans-Joachim Weigt, xxl-Foto)


Puppe: 35-40 mm lang und sehr schlank; die Rüsselscheide ist am Kopf scharf hervorgehoben und erscheint bis zum Hinterleib als feine schwarze Linie; Grundfarbe hell graubraun, auf dem Rücken oft etwas grünlich; Stigmen schwarz; Beine und Fühlerscheiden sind dunkelgrau gemasert



Puppen des Taubenschwänzchen in dorsaler, lateraler und ventraler Ansicht (Foto © Hans-J. Weigt, xxl-Foto)

Lebensraum
Taubenschwänzchen sind sehr aktive Schmetterlinge. Sie verbrauchen deshalb bei ihren Flügen auch sehr viel Energie. Aus diesem Grunde bevorzugen die Tiere stets Habitate, die besonders blütenreich sind und in denen sie genügend energiereichen Blütennektar sammeln können. Sie werden recht oft auf Halbtrockenrasen oder Hochstaudenfluren beobachtet. Zunehmend findet man sie aber auch in der Kulturlandschaft, in Gärten, Parks, auf Friedhöfen oder an Kübelpflanzen. Im Frühjahr kann man bei warmem Wetter hin und wieder einige überwinternde Falter an den ausgestellten Primeln von Gärtnereien beobachten. Einmal konnte der Autor beobachten, wie ein Falter zur Nahrungsaufnahme eine Echte Schlüsselblume anflog.



Überwinterndes Taubenschwänzchen an einer Echten Schlüsselblume (Primula veris) NRW, Marsberg, NSG Kregenberg-Hasental, Mitte Mai 2010, Foto © Hans-J. Weigt, xxl-Foto)


Die Raupe findet man recht selten, da sie im Gewirr von Labkräutern (besonders Galium mollugo) praktisch nicht zu sehen ist. Sie kommt an fast allen warmen Örtlichkeiten, wie z. B. warme Waldränder vor, an denen Labkräuter wachsen. Dichte Wälder werden in der Regel gemieden.



Raupenlebensraum des Taubenschwänzchen an einer warmen Böschung (Werl-Osterflierich, 23.07.2001, Foto © Hans-J. Weigt)

Biologie und Lebensweise
Erscheinungszeiten: Das Taubenschwänzchen wandert je nach Witterungsverlauf mehr oder weniger zahlreich im späten Frühjahr aus submediterranen und mediterranen Gebieten ein. Es kann dabei sehr weit in den Norden vordringen. Im Juli findet man dann in der Regel die Raupen. Sowohl die Raupen- als auch die Puppenliegezeit ist mit jeweils drei bis vier Wochen recht kurz. Die im August schlüpfenden Falter werden noch an warmen Tagen im Oktober beobachtet. Eine weitere Generation ist dann nicht mehr möglich. In strengeren Wintern gehen diese Tiere zumeist zugrunde, wenn sie nicht wieder in den Süden zurückfliegen. Neuerdings ist zu beobachten, dass bei uns immer mehr Tiere an entsprechend dunklen, frostfreien Orten, wie Dachböden, Garagen oder Höhleneingänge überwintern können.
Phänologische Daten aus NRW: ab dem 03.03. (12.04.-23.06.) und dann wieder ab dem 22.07. (03.08.-16.10.) bis zum 05.11.



Taubenschwänzchen auf Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) (Foto © Jochen Rodenkirchen, xxl-Foto)

Für den Wanderflug aus südlichen Gefilden benötigt das tagaktive Taubenschwänzchen bis zu vier Wochen, wobei es stets nachts oder bei sehr kaltem schlechten Wetter Pausen einlegt. Es muss während der Aktivzeit am Tage nicht immer sonnig sein. Auch bei Temperaturen von +12°C sind viele Tiere noch aktiv an Blüten beobachtet worden.
Die Kopula findet nach dem Wanderflug statt. Das Weibchen legt stets nur ein Ei an verschiedene Labkrautarten und fliegt dabei recht große Strecken. Die Eiablage wird immer wieder durch die Nahrungsaufnahme unterbrochen.



Taubenschwänzchen auf Wilden Majoran (Origanum vulgare) (Foto © Jochen Rodenkirchen, xxl-Foto)

Die grünen Raupen leben ganz offen zwischen den Blüten und Blütenknospen, sind dabei aber kaum zu sehen. Dies trifft allerdings nicht auf die gelegentlich auftretenden braunen Exemplare zu. So sind es auch zumeist diese Tiere die man bei der Raupensuche entdeckt. Nach etwa drei Wochen verfärben sich auch die grünen Raupen bräunlich. Das kündigt die Verpuppungsreife an. Sie halten sich nun am Boden auf. Hier fertigen sie ein lockeres Gespinnst an, in dem sie sich zur Puppe verwandeln. Der Falter schlüpft je nach Witterung nach drei bis vier Wochen.

Nahrung

   

   

Taubenschwänzchen im Flug an Katzenminze (Nepeta sp.) (Fotos © Axel Steiner, 04.06.2011, xxl-Fotos: 1, 2, 3, 4)

Als Raupennahrung kommen vor allem warm und trocken stehende Labkräuter (Galium verum, Galium mollugo und manchmal auch Galium aparine) in Frage. Die meisten anderen Labkräuterarten fallen im Freiland durch den falschen Standort aus, werden aber bei der Zucht ohne Probleme angenommen.

Verbreitung in D/Welt



Taubenschwänzchen im Flug an Katzenminze (Nepeta sp.) (Foto © Axel Steiner, 22.06.2006, xxl-Foto)

Als Durchzügler sind Taubenschwänzchen überall flächendeckend, mit Ausnahme geschlossener Waldgebiete, verbreitet. Die Hauptverbreitungsgebiete liegen im mediterranen und submediterranen Bereich und reichen über Kleinasien bis nach Japan. In Europa kann die Art in günstigen Jahren bis zum Polarkreis vorstoßen.

Verbreitung in NRW
Auch in NRW ist Macroglossum stellatarum außerhalb dichter Wälder nahezu flächendeckend anzutreffen.

Weiterführende Literatur
Arbeitsgemeinschaft der rheinisch-westfälischen Entomologen (2012): Rote Liste der gefährdeten Schmetterlinge (Lepidoptera) in Nordrhein-Westfalen - Schriftenreihe der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten Recklinghausen

BERGMANN, A. (1954): Die Großschmetterlinge Mitteldeutschlands, 1-5/2. - Leipzig-Jena (Urania).

EBERT, G. -HERAUSGEBER- (1991 - 2005): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs, 10 Bände - Stuttgart (Ulmer)

FORSTER, W. & WOHLFAHRT, Th. A. (1960): Die Schmetterlinge Mitteleuropas, Band III, Spinner und Schwärmer (Bombyces et Sphinges). - Stuttgart (Franckh)

HOCK, W., KINKLER, H., LECHNER, R. et. Al (1997): Praxishandbuch Schmetterlingsschutz - LÖBF_Reihe Artenschutz, Band 1, Landesanstalt für Ökologie, Recklinghausen

KOCH, M. (1984): Wir bestimmen Schmetterlinge, Bände 1-4, Melsungen (Neumann).

PÄHLER, R. & DUDLER, H. (2010)): Die Schmetterlingsfauna von Ostwestfalen-Lippe, Band 1, Lemgo (Eigenverlag)

ROUGEOT, P.C. & VIETTE, P. (1983): Die Nachtfalter Europas und Nordafrikas. 1. Schwärmer und Spinner (1. Teil) - Keltern

SAUER, F. (1982): Raupe und Schmetterling nach Farbfotos erkannt - Karlsfeld (Fauna-Verlag)

SEITZ, A. (1913): Die Großschmetterlinge der Erde, I. Abteilung: Die Großschmetterlinge des Palaearktischen Faunengebietes, II. Band: Spinner und Schwärmer. - Stuttgart.

SKINNER, B. (1984): Moths of the British Isles - London

WEIGT, H.-J. (2009): Schmetterlinge im Kreis Unna - Naturförderungsgesellschaft für den Kreis Unna, Band 3, Bergkamen.


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Weitere Informationen zu Schmetterlingen (Lepidoptera) im Internet

Portal für Schmetterlinge und Raupen (Walter Schön): fast 6000 Fotos, mehr als 550 Artenportraits, Bestimmungshilfen, Infos, Kontakte, Links (Stand 07/2008)

Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V.: Infos, Kontakte, Links

Moths and Butterflies of Europe and North Africa: Diese italienische Seite in englischer Sprache zeigt jede Menge Fotos zu den Tag- und Nachtfaltern Europas.


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