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Nutria, Sumpfbiber - Myocastor coypus (MOLINA, 1782)
Artenprofil von Karsten Lange/Axel Steiner
Letzte Änderung: 14.03.2017


Systematische Einordnung

Stamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Familie: Biberratten (Myocastoridae)

Fotos (© Kirstin Meyer (1-3,5-6), Karsten Lange (4))
Mülheim (NSG Kocks Loch (3-5)),
Duisburg (NSG Walsumer Rheinauen (1, 2, 6))


(xxl-Foto)
09.2005

(xxl-Foto)
01.2006

(xxl-Foto)
10.2005
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich

(xxl-Foto)
04.2005

(xxl-Foto)
10.2005

(xxl-Foto)
12.2008
Besondere Merkmale



Nutria (Foto: © Ralf Steinberg, xxl-Foto bei Bildklick)

Biberähnlich, aber drehrunder beschuppter und mit spärlichem Haarwuchs versehener Schwanz. Fell mit dichter Unterwolle und starken Grannenhaaren, oberseits gelbbraun bis schwärzlich, schiefergraue Unterwolle, unterseits heller.





Sehr auffällig sind die orangeroten, breiten Nagezähne, die auch in dem präparierten Nutria-Schädel (unten) deutlich erkennbar sind
(Fotos © Sylvia Urbaniak, xxl-Fotos bei Bildklick).

Zwischen den Hinterfußzehen befinden sich mit Ausnahme der äußersten Zehen Schwimmhäute. An den Außenkanten der Hinterfüße befinden sich Schwimmborsten.

Länge von Kopf und Körper: 40-65 cm
Schwanzlänge: 30-45 cm
Gewicht: 3-9 (-14) kg


Ähnliche Arten:

Bisamratte (Ondatra zibethicus): Körpergröße bis 35 cm; Gewicht 1,3-1,8 kg; Schwanz oval und bis 26 cm lang; relativ spitze Kopfform mit schmalen Nasenlöchern; Zähne meist kaum sichtbar; im Fell verborgene kleine runde Ohren; kleine runde tiefschwarze Augen; schwarze Tasthaare; keine Schwimmhäute zwischen den Zehen



Vergleichsfotos einer toten Bisamratte (Foto © Axel Steiner, 21.02.2017, xxl-Foto bei Bildklick).

Biber (Castor fiber): Körpergröße bis 1 m; Gewicht bis 36 kg; kellenförmiger bis zu 36 cm langer Schwanz; Ohren wenig sichtbar; hochgestellte kleine rundliche Augen; dunkle Tasthaare; zwischen allen Zehen Schwimmhäute ("Entenfüße")



Vorsicht Falle! Schwierig wird es wenn Nutrias und Biber im selben Lebensraum vorkommen.
Hier hat sich ein Nutria vor einem Baumstamm postiert, der von einem Biber bearbeitet worden ist
(Foto © Sylvia Urbaniak, Kreis Viersen, 11.03.2017, xxl-Foto bei Bildklick).

Lebensraum



Nutria beim "Parcourschwimmen" (Foto: © Ralf Steinberg, xxl-Foto bei Bildklick)

Die Art besiedelt unterschiedliche Gewässertypen. Bevorzugt werden Fließ- und Stillgewässer mit ausgeprägter Ufer- und Unterwasservegetation.



Ein Nutria-Lebensraum (Foto © Sylvia Urbaniak, Kreis Viersen, xxl-Foto bei Bildklick)

Biologie und Lebensweise
Überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, hält sich sehr viel im Wasser auf und schwimmt und taucht sehr gut. Nutrias können bis zu 5 Minuten unter Wasser bleiben. Das Fell muss ständig sorgfältig eingefettet werden, damit es "wasserdicht" bleibt. Dazu nutzen die Tiere Fettdrüsen an beiden Mundwinkeln. Von dort verteilen sie mit ihren Pfoten das Öl am ganzen Körper.
An Land wirken die Tiere jedoch eher plump.
Nutrias legen keinen Winterschlaf ein und pflanzen sich zu allen Jahreszeiten fort. Die Tragzeit beträgt rund 130 Tage. Die Wurfgröße beträgt 4-7 Junge. In der Regel werden 2 (-4) Jahreswürfe aufgezogen. Die Jungen sind Nestflüchter und schwimmen schon bald nach der Geburt und nehmen feste Nahrung auf. Nutrias leben entweder einzeln oder in territorialen Kolonien und bewohnen selbst gegrabene Uferhöhlen mit Nest-/Wohnkammer oder sie legen Schilfnester an. Die Eingangsöffnung der einfachen Röhrensyteme liegt immer über dem Wasserspiegel.
Strenge Winter sorgen für deutliche Populationsrückgänge und überlebende Tiere weisen oft Erfrierungen an Ohren und Schwänzen auf.

Wenn ihnen die Flucht ins Wasser versperrt wird, können Nutrias plötzlich sehr agil werden, mit großem Sprung angreifen und empfindlich zubeißen.




Nutria in "Denkerpose"
(Foto: © Ralf Steinberg,
xxl-Foto bei Bildklick)

Nutrias als Nutztiere:
Nutrias besitzen ein sehr wertvolles Fell, das früher sehr geschätzt wurde und das z. B. für Pelzmäntel und zum Filzen in der Hutherstellung genutzt werden kann. Außerdem soll ihr Fleisch sehr schmackhaft sein.

Schäden durch Nutrias:
Uferböschungen und Deiche leiden durch die Wohnhöhlen der Nutrias und in landwirtschaftlichen Kulturen (Kartoffeln, Zuckerrüben, Möhren, Mais, Getreide) können die Tiere erhebliche Schäden anrichten.

Nahrung

   

Nutrias bei der Nahrungsaufnahme (Fotos: © Ralf Steinberg, xxl-Fotos bei Bildklick)

Nutrias ernähren sich von ober- und unterirdischen Pflanzenteilen. Weil sie auch Wurzeln ausgraben, können die Tiere ganze Pflanzenbestände gefährden. Neben Ufer-, Schwimmblatt- und Unterwasserpflanzen wird auch die Rinde von Ufergehölzen genutzt.

Selten werden wohl auch Schnecken, Fische und Vogeleier gefressen.

 

Nutrias werden vielerorts z. B. mit Äpfeln und Möhren gefüttert. Beim Essen nehmen die Tiere ihre Nahrung - ähnlich wie Eichhörnchen - in die Vorderpfoten und führen sie so zum Mund (Fotos © Sylvia Urbaniak, Kreis Viersen, 11.03.2017, xxl-Fotos bei Bildklick).

 
 

Wenn es im Nutria-Lebensraum Süßwassermuscheln gibt werden diese bevorzugt gegessen. Dabei gehören neben einheimischen Muschelarten auch die seit Anfang der 90er Jahre nach und nach in Deutschland eingebürgerte Körbchenmuschel (Corbicula sp.) zur Beute der Nutrias (Fotos © Sylvia Urbaniak, Kreis Viersen, 11.03.2017, xxl-Fotos bei Bildklick).

Hier gibt es eine kleine Filmsequenz von einem nach Muscheln tauchenden Nutria zu sehen (© Sylvia Urbaniak).

Verbreitung in D/Welt



Auf den ersten Blick einem Biber sehr ähnlich: Schwimmender Nutria (Foto: © Ralf Steinberg, xxl-Foto bei Bildklick)

Ursprünglich heimisch im subtropischen und gemäßigten Südamerika. Heute in Nordamerika, Europa, Asien, Afrika und dem Mittleren Osten eingebürgert. In Europa baute sich die Population aus entkommenen bzw. freigelassenen Tieren aus Pelztierfarmen oder absichtlich zur Vegetationsregulierung oder Pelzproduktion freigesetzten Tieren auf.

Verbreitung in NRW



Aug in Auge mit einem Nutria (Foto: © Ralf Steinberg, xxl-Foto bei Bildklick)

Über die Verbreitung der Nutrias in NRW liegen mir leider keine Informationen vor. Gute Beobachtungsmöglichkeiten gibt es aber u. a. im Naturschutzgebiet Kocks Loch in Mülheim.



Auch wenn sie niedlich aussehen gehören Nutrias hier eigentlich nicht hin...
(Foto © Sylvia Urbaniak, Kreis Viersen, 11.03.2017, xxl-Fotos bei Bildklick).

Benutzte Literatur
BERGER, Z.; DOBRORUKA, L. (1985): Säugetiere Europas - Kosmos-Naturführer, Stuttgart: Franckh. 189 S.

GRZIMEK, B. (HRSG.) (1979): Grzimeks Tierleben, Band 11, Säugetiere 2 - Deutscher Taschenbuchverlag GmbH & Co.KG, München - S.419-421.

LUDWIG, M.; H. GEBHARDT; H. W. LUDWIG & S. SCHMIDT-FISCHER (2000): Neue Tiere und Pflanzen in der heimischen Natur - Einwandernde Arten erkennen und bestimmen. - BLV Buchverlag GmbH & Co. KG. München. 127 S.

STICHMANN, W. (2006): Der Kosmos-Naturführer - Tiere und Pflanzen. Frankh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. 895 S.


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Weitere Informationen zum Nutria (Myocastor coypus) im Internet

Wikipedia: Weitere Informationen und Fotos über den Nutria.

www.nutria-info.com: Schöne Seite, die die Unterschiede zwischen Nutrias, Bibern und Bisamratten aufzeigt.