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Mäusebussard - Buteo buteo (LINNAEUS, 1758)
Artenprofil von Axel Steiner
Letzte Änderung: 16.02.2016


Systematische Einordnung

Stamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Bussardartige (Buteoninae)

Fotos (© Kevin Winterhoff (1-2), Axel Steiner (3))

Breckerfeld (3)


(xxl-Foto)
23.02.2010

(xxl-Foto)
25.02.2010

(xxl-Foto)
16.01.2012
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich
     
Besondere Merkmale

 

Mäusebussard (© Kevin Winterhoff, Mecklenburg-Vorpommern, 23.02.2010, xxl-Fotos per Bildklick).

Mittelgroß; überwiegend dunkelbraun gefärbt; Färbung jedoch sehr variabel von einfarbig sehr dunkel bis fast weiß; breitflügelig; breiter und kurzer Hals; mittellanger, weißlicher Schwanz mit dunkler Endbinde und 8-10 schmalen dunklen Querbinden; helles Brustband trennt dunkle Vorderbrust von dunklem Bauch oder Bauchseiten; unbefiederte gelbe Beine; Flügelspitzen erreichen Schwanzende

Altvogel: meist mit schwärzlich gefärbter Abschlussbinde auf Flügeln und Schwanz; Weibchen insgesamt etwas größer als Männchen



Mäusebussard im Alters-Check: jung mit heller Iris (links) und rechts mit sehr viel dunklerer Iris
Sylvia Urbaniak, Greifvogelhilfe Mönchengladbach, 07.06.2012, xxl-Foto per Bildklick).

Jungvogel: schlankere Flügel; unterseits deutliche Längsstreifung; ohne deutliche breite Schwanzendbinde; Brust grob gestrichelt; Augen hellgrau bis hell bräunlich



Flugbild eines adulten Mäusebussard - erkennbar an der breiten Endbinde am Schwanzgefieder und an den breiten Endbinden an den FLügelrändern (© Axel Steiner, Breckerfeld, 27.03.2012, xxl-Foto per Bildklick).

Flug: im Flug mit breiten, abgerundeten Flügeln; kreisender Flug mit leicht V-förmig angehobenen Flügeln; Gleitflug mit geraden oder schwach gewölbten Flügeln; im Segelflug mit gefächertem und gespreiztem Schwanz und leicht aufgebogenen Flügelenden; gelegentlich auch Rüttelflug oder still im Wind stehend



Federn eines juvenilen MäusebussardSylvia Urbaniak, Greifvogelhilfe Mönchengladbach, xxl-Foto per Bildklick).

Weitere Fotos der Federn des Mäusebussard können Sie sich hier anschauen: www.federbestimmung.de

Körperlänge: 40-52 cm
Flügelspannweite: 109-136 cm
Flügellänge: 37-42 cm
Schwanzlänge: 17-23 cm
Gewicht: Männchen: (525-) 600-900 (-1183) g; Weibchen: (625-) 800-1200 (-1364) g

Rufe: langgezogene, klagend oder miauend "hii-äh" (Der Ruf wird auch gerne von Eichelhähern nachgeahmt.); bei Gefahr liegt die Betonung auf dem Anfang

Hier können Sie sich die Rufe des Mäusebussard bei www.vogelwarte.ch anhören.

 
 

Mäusebussard im Flug (© Axel Steiner, Breckerfeld, 14.06.2015 (1), 11.02.2012 (2-4), xxl-Foto per Bildklick).

Bei der variablen Gefiederfärbung spielen Herkunft und Alter der Vögel wohl keine Rolle. Selbst Geschwister aus der gleichen Brut können sehr unterschiedlich aussehen.



Helle Farbmorphe des Mäusebussard (© Kevin Winterhoff, Mecklenburg-Vorpommern, 06.03.2010, xxl-Foto per Bildklick).


Ähnliche Arten:

Wespenbussard (Pernis apivorus): nur im Sommer in NRW; deutlich seltener; schmalerer Kopf; längerer Schwanz mit abgerundeten Kanten; kuckuckartig vorgestreckter Kopf; schmalerer Hals

Raufußbussard (Buteo lagopus): größer; langflügeliger; im Gleitflug deutlicher Bugknick; aktiver Flug mit langsameren Flügelschlag; häufigerer Rüttelflug; ober- und unterseits weißer Schwanz mit schwarzer Endbinde und höchstens 3 weiteren schmalen dunklen Binden; Unterseite mit schwarzen Bugfleck und schwarzem Bauch; Beine bis zum Grunde der Zehen weißlich befiedert

Habicht (Accipiter gentilis): langschwänziger und langhalsiger; rundere Flügel; scheuere Lebensweise

Lebensraum



Mäusebussarde bevorzugen als Brut- und Jagdgebiet gut strukturierte, mosaikartige Landschaften.
(© Axel Steiner, 07.06.2015, Breckerfeld, xxl-Fotos per Bildklick).

Mäusebussarde leben in Kulturlandschaften mit Gehölzen oder Waldgebieten, Wiesen, Feldern, Feuchtgebiete oder anderem Offenland. Das Innere von Wäldern und dicht bebaute städtische Bereiche werden gemieden, während die Randbereiche hingegen gerne besiedelt werden. Sie benötigen größere Gehölze (gerne Eichen, Kiefern, Fichten, Rotbuche oder Lärchen) als potentiellen Neststandort und offenes Land als Jagdgebiet.

Das Revier eines Brutpaares ist durchschnittlich etwa 1,3 km² groß, kann sich aber an den Rändern mit Nachbarrevieren überschneiden (MEBS, 2012).

 

Mäusebussard im heimischen Garten in einer Buche sitzend (© Axel Steiner, 20.02.2012, Breckerfeld, xxl-Fotos per Bildklick).

Biologie und Lebensweise
Mäusebussarde sitzen oft offen auf Zaunpfählen oder anderen Sitzmöglichkeiten und halten nach Beute Ausschau. Dabei kann man manchmal auch sehr nah mit dem Auto an ihnen vorbeifahren ohne sie zu stören.

 

Manchmal reicht einem Mäusebussard auch schon ein Maulwurfshügel auf einer Wiese um einen besseren Überblick über die Umgebung zu erlangen. (© Axel Steiner, 16.01.2012, xxl-Foto per Bildklick).

Im Frühjahr kreisen die Paare oft stundenlang rufend über ihren Brutrevieren und verteidigen das Revier gegen Eindringlinge. Als Segelflieger sind Mäusebussarde von der Thermik abhängig. Sie sind nicht in der Lage lange Strecken mittels Flügelschlagen zu überwinden, was beim Überqueren von Meerespassagen bei ungünstigem Wetter zum Problem werden kann.
Mäusebussarde bleiben ihren Revieren und Partnern treu.

   



 

   

Typische Bewegungsabläufe eines misstrauisch werdenden Mäusebussard. Zunächst beäugt er die mögliche Gefahr (in dem Fall mich), wechselt aus der entspannten in eine angespannte Haltung, erleichtert sich mittels Kotabgabe und startet schließlich und sucht das Weite. (© Axel Steiner, 14.02.2016, xxl-Fotos per Bildklick).

Sie nisten meist hoch (9-25 m) auf Bäumen in einer Stammgabel.

Nest: großes Nest (Durchmesser bis 1,5 m und 60 cm hoch); Unterbau aus groben Ästen und Zweigen; Mulde ausgekleidet mit feinerem Material

Legebeginn ist von Mitte März bis Ende April. Die Eier werden im Abstand von 2-3 Tagen gelegt.

Eier: Anzahl: (1-)2-3(-5); Farbe: kalkweiß; variabel kastanienrot bis braun oder schwach violett bis graubraun gekleckst; manchmal nur mit wenigen Markierungen; Größe: kurz-oval, 56,2 x 45,2 mm; Gewicht: durchschnittlich etwa 60 g

Brutdauer: 32-36 Tage

Nestlingszeit: 42-49 (manchmal auch >50) Tage



Mäusebussard-Nestling (© Sylvia Urbaniak, Greifvogelhilfe Mönchengladbach, 07.06.2012, xxl-Foto per Bildklick).

Das Brutgeschäft wird in erster Linie vom Weibchen übernommen, während das Männchen sein Weibchen und später auch die Jungen mit Nahrung versorgt. Die Jungen schlüpfen asynchron im Abstand von ca. 2 Tagen.

Nach 5 Wochen sind die jungen Mäusebussarde flügge, müssen aber noch weitere 5 Wochen von den Eltern gefüttert werden bis sie die Jagdtechniken der Eltern gelernt haben. Im Alter von 9-11 Wochen sind die Jungen dann selbstständig.

Mäusebussarde werden im Alter von 2-3 Jahren geschlechtsreif. Die erste Brut findet aber wohl meist erst im Alter von 4 bis 5 Jahren mit ausreichender Lebenserfahrung statt. Sie können in der freien Natur maximal ein Alter von 25 Jahren erreichen, in Gefangenschaft sogar bis zu 30 Jahre.

Zu ihren natürlichen Feinden gehören Uhu, Habicht und Marder.

Diese interessante Situation konnte Sylvia Urbaniak beobachten und fotografieren:

Der Bussard hat vom Zaunpfahl aus Mäuse gejagt und auf seinem Platz gefressen. Das Wiesel hat dann frecher Weise versucht den Pfahl von unten immer wieder hochzuklettern, um dem Bussard die Beute zu stehlen. Dieser hat das Wiesel erstaunlicher Weise jedoch nicht als potentielle Beute betrachtet, sondern stattdessen gemantelt. Er fühlte sich durch die aufmüpfige Art des Wiesels aber sichtlich gestört.



Mäusebussard vs. Wiesel
Sylvia Urbaniak, Greifvogelhilfe Mönchengladbach, 10.08.2014)

Häufig fressen Mäusebussarde auch an Straßenrändern überfahrene Tiere und werden dann durch die Sogwirkung vorbeifahrender Fahrzeuge oft selber zum Verkehrsopfer.



Unfallopfer Mäusebussard (© Axel Steiner, 17.03.2005, xxl-Foto per Bildklick).

Nahrung
Mäusebussarde jagen Mäuse (insbesondere Feld- und Wühlmäuse), Maulwürfe, junge Kaninchen und Hasen (bis max. 500 g), Reptilien, Amphibien, Vogeljunge, größere Insekten, Würmer und besonders im Winter auch Aas. Erwachsene Kaninchen oder Hasen können nur überwältigt werden, wenn sie verletzt oder geschwächt sind.



Dieser Mäusebussard verteidigt hier vehement seine Beute (© Kevin Winterhoff, 13.02.2009, xxl-Foto per Bildklick).

Mäusebussarde jagen ihre Beute, indem sie sich aus geringer Höhe von einer erhöhten Warte oder aus dem niedrigen Suchflug auf sie stürzen. Kleinere Beute wird auch laufend am Boden verfolgt und zur Strecke gebracht.


Mäusebussard im Sturzflug auf seine Beute
(© Axel Steiner, 11.02.2012, Breckerfeld, xxl-Foto per Bildklick).

Verbreitung in D/Welt
engl. = Common Buzzard

Der Mäusebussard ist sowohl in Mitteleuropa als auch in Deutschland die häufigste Greifvogelart. Sein Brutgebiet reicht von der Südwestspitze Europas über Asien bis Japan. Er fehlt in Teilen Irlands, auf Island und in Nordskandinavien.



2 Mäusebussarde im Kampf (© Kevin Winterhoff, 13.02.2009, xxl-Foto per Bildklick).

Mäusebussarde aus Nordeuropa sind Zugvögel und überwintern in südlicheren Gefilden. Von den mitteleuropäischen Exemplaren überwintern nur die Jungvögel meist in Frankreich während die Altvögel ihrem Revier treu bleiben (= Standvögel). In Deutschland leben ca. 100.000 Brutpaare. Der europäische Gesamtbestand wird auf etwa eine Millionen Exemplare geschätzt (MEBS, 2012). Diese häufige Greifvogelart ist - vermutlich auch aufgrund der ganzjährigen Schonzeit - in ihren Beständen nicht gefährdet. In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands (SÜDBECK et al., 2009) wird der Mäusebussard als ungefährdet und mäßig häufig geführt.

Eine weltweite Verbreitungskarte des Mäusebussard können Sie sich hier bei Avibase ansehen!

Verbreitung in NRW
Der sehr anpassungsfähige Mäusebussard ist auch in NRW die am häufigsten zu beobachtende Greifvogelart und flächendeckend vertreten. Seine Bestände schwanken allerdings in Abhängigkeit zur Verfügbarkeit seiner Nahrung. Besonders in strengen Wintern kann es bei Nahrungsmangel zu starken Einbußen kommen. In NRW sollen ca. 12.000 Brutpaare leben (MEBS & SCHMIDT, 2014). Er gilt hierzulande in allen Regionen als ungefährdet (SUDMANN et al., 2008).
Mäusebussarde unterliegen, wie alle Greifvogelarten, dem Jagdrecht, dürfen aber ganzjährig nicht gejagt werden.



Gerade im Winter kann es an der Beute zu heftigen Auseinandersetzungen kommen
(© Kevin Winterhoff, 13.02.2009, xxl-Foto per Bildklick).

Benutzte Literatur
ARBEITSGEMEINSCHAFT AVIFAUNA HAGEN (2009): Die Brutvögel Hagens. 1997-2008. - Hagen (Biologische Station Umweltzentrum Hagen e. V.). 306 S.

BAUER, H.-G.; E. BEZZEL; W. FIEDLER (2012): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Sonderausgabe in einem Band. 1: Nonpasseriformes - Nichtsperlingsvögel. AULA-Verlag, Wiebelsheim. 808 + 622 S.

FERGUSON-LEES, J. & D. CHRISTIE (2009): Die Greifvögel der Welt. Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, Stuttgart. 320 S.

GRÜNEBERG, C. et al.(2013): Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens, NWO & LANUV (Hrsg.), LWL-Museum für Naturkunde, Münster. 480 S.

HEINTZENBERG, F. (2006): Greifvögel und Eulen - Alle Arten Europas. Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, Stuttgart. 250 S.

JONSSON, L. (2010): Die Vögel Europas und des Mittelmeerraumes. Franckh-Kosmos Verlag. 559 S.

LIMBRUNNER, A; E. BEZZEL; K. RICHARZ & D. SINGER (2001/2007): Enzyklopädie der Brutvögel Europas. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. Einbändige Sonderausgabe des 2001 erschienenen Doppelbandes. 860 S.

MEBS, T. & D. SCHMIDT (2014): Die Greifvögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Biologie, Kennzeichen, Bestände. Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, Stuttgart. 494 S.

MEBS, T. (2012): Greifvögel Europas. Alle Arten Europas. Biologie und Bestände. Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, Stuttgart. 249 S.

MEBS, T. & D. SCHMIDT (2014): Die Greifvögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Biologie, Kennzeichen, Bestände. Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, Stuttgart. 494 S.

PETERSON, R. (1985): Die Vögel Europas: ein Taschenbuch für Ornithologen und Naturfreunde über alle in Europa lebenden Vögel. 14., verbesserte Aufl. Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin. 535 S.

RHEINWALD, G. & M. SCHMITZ (2007): Vögel zwischen Rhein und Weser. So wird Vogelbeobachtung zum Erlebnis. Ginster-Verlag, St. Katharinen, 344 S.

SUDMANN, S. R.; C. GRÜNEBERG; A. HEGEMANN; F. HERHAUS; J. MÖLLE; K. NOTTMEYER; W. SCHUBERT; W. v. DEWITZ; M. JÖBGES & J. WEISS (2008): Rote Liste und Artenverzeichnis der Brutvogelarten - Aves - in Nordrhein-Westfalen. 5. Fassung, Stand Dezember 2008. Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz - LANUV NRW. pdf

SÜDBECK, P.; H.-G. BAUER; M. BOSCHERT; P. BOYE & W. KNIEF (2009): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands 4. Fassung, 30. November 2007. IN: Naturschutz und Biologische Vielfalt 70(1), Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands: Band 1: Wirbeltiere. Bundesamt für Naturschutz, S. 159-227.

SVENSSON, L.; K. MULLARNEY & D. ZETTERSTRÖM (2011): Der Kosmos Vogelführer. Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. 2. Aufl., Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, Stuttgart. 448 S.


Zur Buchliste weiterer interessanter Vogel-Bücher auf www.natur-in-nrw.de

Weitere Informationen zu Vögeln (Aves) im Internet

Avibase: Umfangreiches Datenbank-Informations-System über alle Vögel der Welt. Sie enthält nahezu 2 Million Aufzeichnungen über 10.000 Spezies und 22.000 Subspezies von Vögeln, einschließlich Verbreitungs-Informationen, Taxonomie, Synonyme in mehreren Sprachen und anderes.

NABU: Vogel des Jahres 2005. Weitere Informationen, Ansprechpartner und Fotos zum Uhu

birdnet.de: Das Deutsche Forum zum Thema Vögel. Aktuelles, Forum, Fotos, Archiv...

brodowski-fotografie.de: Sehr zahlreiche tolle Fotos und ausführliche Infos über den Uhu


Zur Linkliste weiterer interessanter Vogel-Internetseiten auf www.natur-in-nrw.de